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Archiv der Einträge: Juni, 2012
  • Über fünf Jahre Haft für Hilpert//20.06.2012

    Für die Verbrechen heut werden sie zur Rechenschaft gezogen in einem scheinbar demokratischen Staat,
    was ist aber mit den verbrechen an den Menschen der DDR, warum wird dass nicht auch verfolgt, bei solch hohen Funktionären. Wann wird deren Schuld als Schuld gesehen. die Opfer brauchen Anerkennung, denn so nur können sie ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten.

    Dirk bei Sweet Angels,05.05.2012

    Ihr habt lange nichts von mir gehört, aber ich bin mit der Suche nach Dirk immer wieder dran. Eben erwarte ich das Dirks Vater mir seine DNA gibt. Mal sehen ob er irgendwas mal für seinen Sohn tut.
    Meine erwartungen sind dabei nicht sehr hoch, denn er hat die Jahre sich nicht einmal um Dirk gekümmert.Vor einigen langen Jahren war mal ein 4 zeiler in einer zeitung, wo er mitteilte Dirk sei auch sein Sohn. Er teilte es der Zeitung mit, nicht etwa mir und was kann ich mit helfen? aber lassen wir ihm seinen Frieden er hat ja nun auch einen Sohn der ca. 20 Jahre ist.
    So meine Lieben allen einen schönen Tag, bei uns regnet es sehr. Heidi

    Potsdam –

    Sein Lebensweg ist schillernd, Politiker und Prominente sind auf Fotos vergangener Tage zu sehen. Diese Zeiten sind vorbei. Seit einem Jahr ist Hotelier Hilpert in Untersuchungshaft. Jetzt ist das Urteil im Betrugsprozess gefallen.

    Ein Raunen geht durch die Hälfte des Zuschauerraumes, als Richter Andreas Dielitz das Strafmaß verkündet. Dort sitzt die Familie von Axel Hilpert, außerdem Mitarbeiter seines Luxushotels am Schwielowsee und sonstige Bekannte. Ein Teil jener Gruppe, die Dielitz in seiner Urteilsbegründung später als „Hilpert-Universum“ bezeichnen wird. Und diese Anhänger sind entsetzt zu hören, dass der Angeklagte für fünf Jahre und acht Monate ins Gefängnis muss wegen Betrugs in Millionenhöhe, Untreue und Steuerhinterziehung.

    Axel Hilpert war in der DDR Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Für den DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski arbeitete der heute 64-Jährige als Kunst- und Antiquitätenhändler. Er gilt als Schlüsselfigur der DDR-Kuba-Connection – es ging um Waffengeschäfte. Seine Anwälte bestreiten dies. Bis heute hat er gute Kontakte nach Kuba.

    Die 4. Kammer des Landgerichts Potsdam geht damit noch über den Strafantrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die zwei Monate weniger Haft gefordert hatte. Im Kern aber folgt sie den Argumenten der Anklage. „Sie haben eine hohe kriminelle Energie“, bescheinigte Dielitz dem Angeklagten, nachdem er ausführlich dargelegt hatte, wie das „System Hilpert“ funktionierte und warum es rechtswidrig war.

    Hilpert hatte am Schwielowsee (Potsdam-Mittelmark), südlich der Blütenstadt Werder, vor knapp zehn Jahren ein Resort vom Feinsten errichten lassen: strahlend weiße Gebäude, blaue Dächer, in der Nähe war noch ein Golfplatz geplant. Von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) erhielt er dafür 9,2 Millionen Euro Fördermittel, zwecks Stärkung der regionalen Wirtschaftsstruktur. Schon das sei zu Unrecht geschehen, befanden die Richter nun, denn die Staatsbank ILB hätte das Projekt niemals unterstützen dürfen, wenn sie von den Neben- und Scheingeschäften Hilperts gewusst hätte.

    Hilpert nimmt Urteil ohne Regung zur Kenntnis

    Der nämlich kassierte doppelt und dreifach: Er war nicht nur Geschäftsführer und Teilhaber der Firma, die das Projekt betreute, sondern besaß allein auch mehrere am Bau beteiligte Unternehmen. Eine Klausel im ILB-Förderbescheid, die solche Verflechtungen ausschließen sollte, griff laut Dielitz nicht, „sie war schlecht“. Insofern stimmte der Richter der Verteidigung zu, die der Förderbank eine Mitschuld zugewiesen hatte. Hilpert habe alle anderen Beteiligten, selbst seine Hausbank DKB, planmäßig zu täuschen versucht. Der Förderantrag habe auf „Lug und Trug“ beruht.

    Außerdem habe Hilpert Architekten, Ingenieure und Baufirmen unter Druck gesetzt, ihm Rabatte zu zahlen, insgesamt Millionenbeträge. Auch weil das die Kosten in die Höhe trieb, stimmten seine Abrechnungen gegenüber der ILB hinten und vorne nicht. Bis heute habe Hilpert kein Unrechtsbewusstsein entwickelt, sagte Dielitz zur Begründung für das Strafmaß.

    Als Schaden legte die Kammer die gesamte Fördersumme von gut neun Millionen Euro zugrunde – nicht nur die 1,89 Millionen, die Hilpert auf eigene Konten geschafft hat. Dass er zudem eine seiner Firmen um 35 000 Euro geprellt und tausende Euro Steuern hinterzogen hat, fiel da kaum noch ins Gewicht.

    Hilpert selbst nahm das Urteil ohne sichtbare Regung zur Kenntnis. Schon während des fünfmonatigen Prozesses hatte er still und konzentriert zugehört, als über Schuld oder Unschuld und damit seinen Aufenthaltsort für die nächsten Jahre verhandelt wurde. Gefühle ließ er nur erkennen, wenn er in Pausen den Kontakt zu Angehörigen im Zuschauerraum suchte.

    Erst am vergangenen Freitag, nach den Plädoyers, nahm er Stellung. Der 64-Jährige, den Geschäftspartner als knallhart kennenlernten, sagte unter Tränen: „Ich weise alle Anschuldigungen zurück.“ Von Selbstzweifeln oder gar Reue keine Spur. Hilpert trat bis zuletzt als Opfer auf. Er habe versucht, „dem Land zu dienen“ und dabei seine Erfahrungen aus der DDR einzubringen. Bis 1989 hatte er für den Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski und als Spitzel für die Staatssicherheit gearbeitet.

    Nur einen Lichtblick gab es für Hilpert: Nach mehr als einem Jahr Untersuchungshaft kann er vorerst freikommen, gegen eine Kaution von 500.000 Euro und Meldeauflagen. Wenn das Urteil Bestand hat, muss er aber wieder ins Gefängnis.

    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/urteil-im-betrugsprozess-ueber-fuenf-jahre-haft-fuer-hilpert,10809148,16372488.html

  • Kleines Lexikon der DDR//15.05.2012

    Berlin (MOZ) Zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung verschwinden typische DDR-Abkürzungen langsam aus dem kollektiven Gedächtnis. SED, NVA oder FDJ sind zwar vielen Menschen noch bekannt. Aber wer weiß noch was MKF-G oder MIR bedeuteten? Eine neue Ausstellung veranschaulicht die Abkürzungen nun mit 260 Objekten.

    Ob aus Gips, Stein oder Bronze, weiß, schwarz oder aschefarben - er schaut immer gleich ernst. Karl Marx steht in vierfacher Ausführung vor Lenin, der ebenfalls mit seinen Drillingsbrüdern eine Reihe bildet. Die Bildhauer der DDR haben sich in der Büsten-Produktion regelrecht überboten. Einige der unzähligen Ikonen für den ML (Marxismus-Leninismus) stehen nun aufgereiht im Deutschen Historischen Museum wie auf einer Tribüne. Sie lassen einen Aufmarsch an Schaukästen an sich vorbei ziehen mit den Relikten eines untergegangenen Staates.

    Wenn ein Land nicht mehr existiert, werden seine Alltäglichkeiten plötzlich Museumsstücke. Was vor etwas mehr als 20 Jahren noch selbstverständlich war, ist nun kurioses Anschauungsobjekt. Eine gusseisernes LPG-Schild mit der Aufschrift "Clara-Zetkin", eine Dose Kaffee-Ersatzpulver, Reagenzgläser mit Schwefel und Dieselkraftstoff aus dem VEB Petrochemimischen Kombinat (PCK) Schwedt, ein schnödes grünes Plastik-Telefon mit Wählscheibe.

    Sie alle können Geschichten erzählen. Zum Beispiel, die, dass selbst 1989 nur elf Prozent der DDR-Bürger einen eigenen Telefonanschluss besaßen, während Militär und Stasi über mehr als 20 nichtöffentliche Telefonnetze verfügen konnten. Ein alter Papps-Karton für sechs Eier verweist dagegen darauf, dass es auch in der DDR-Marktwirtschaft Werbestrategen gab. Sie kreierten aus dem Logo "MIR" (Kombinat Industrie Mast) den Slogan: "Köstlich immer Marktfrisch". Die damals geläufige Abkürzung sei selbst den Museumsmitarbeitern mit Ost-Sozialisation nicht mehr geläufig gewesen, berichtet Kuratorin Carola Jüllig. Die Sonderausstellung. An den vielen offiziell gebräuchlichen Abkürzungen wie etwa NVA (Nationale Volksarmee), DVP (Deutsche Volkspolizei) oder DSF (Gesellschaft für (Deutsch-Sowjetische Freundschaft) hat sie sich bei der Inszenierung der kleinen Schau entlang gehangelt, um die Vielfalt in den Museumskellern und Depots zu bändigen.

    Denn das Deutsch Historische Museum hat eine der größten Sammlungen von DDR-Objekten weltweit. Nach der Wende hat das Haus Unter den Linden das Erbe des Nationalen Geschichtsmuseums der DDR angetreten. Dazu kamen unter anderem Speisekarten, Geschirr oder Teile eines 13 Quadratmeter großen Meißener-Porzellan-Wandbildes aus dem längst abgerissenen Palast der Republik. Eine mannshohe Stehleuchten zeigt, warum der Palast im Volksmund "Erichs Lampenladen" hieß. Eindrucksvoll die Tischuhr mit Bauern, Arbeitern und halbfertigen Wohnblocks aus Silber, die den "Den Aufbau des sozialistischen Staates" illustriert.

  • Opfer, Täter und Verwandte - Der persönliche Umgang mit der DDR-Vergangenheit//10.06.2012

    Bautzen II 008

    Hier sehen wir, dass es nicht nur Stasiopfer gab, nein auch die Verwandschaft war nach Stasimethoden verfolgt. Wie gehen heute diese Leute die nie anerkannt werden als Opfer mit der Vergangenheit um? Jahrelang haben die Stasiopfer aus Schamgefühl nicht über die Gefühle gesprochen, da sie ihre Lieben nicht mit reinziehen wollten. Der Schmerz war groß genug, nach außen hat man immer dargestellt, es war nicht so schlimm um den Angehörigen keine Sorgen zu machen. Aber wie die draußen gelitten haben, darüber mag man nicht sprechen. Aber es muss im Zusammenhang mit der Mauer, mit den Gefängnissen und vieler anderen Dinge eine Aufarbeitung geben. Hören will nicht immer von denen die den Aufstand in der DDR betrieben haben, nein die o.g. Opfer müssen mal zu Wort kommen.
    Die Aufarbeitugsindustrie ist im vollen gange und verzettel sich mit Objekten die teuer sind und nichts bringen. Leute es ist Zeit das mal andere sprechen, andere Zeitzeugen die nicht im Knast waren aber im großen Knast leben mußten. Euch allen einen schönen Sonntag. Heidi

    Von Blanka Weber und Susanne Arlt

    Mehr als 20 Jahre nach ihrem Ende ist die DDR noch im Leben vieler ehemaliger Bürger gegenwärtig. Nun fahnden verstärkt die Kinder und Enkelkinder von Opfern und Tätern nach den Verstrickungen ihrer Verwandten - und damit auch nach Brüchen im eigenen Leben.

    "Beim Ministerium für Staatssicherheit klickten die Handschellen, und dann war man weg, und die ganz klare Botschaft war: Irgendwie kriegen wir dich zum Reden!"

    Jörg Drieselmann sitzt in Cargohose und bunt gestreiftem Pulli vor Schülern einer Thüringer Regelschule. Der 56-Jährige ist als Zeitzeuge geladen, um über Täter und Opfer der DDR zu reden. Wie viele Opfer es gibt, kann er nicht sagen. 43.000 Menschen beziehen heute schätzungsweise Opferrente. Doch ist das Thema damit erledigt? Jörg Drieselmann ist oft in Schulen unterwegs, steht Rede und Antwort.

    "Meine Eltern sind beide Mitglieder in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands gewesen."

    18 Jahre war er, als er am 13.August 1974 mit einem Plakat zur Arbeit ging, um auf die Maueropfer an der deutsch-deutschen Grenze nach 1961 aufmerksam zu machen. 33.974 Menschen hatten die DDR damals schon verlassen, 164 wurden auf der Flucht getötet, das wusste Jörg Drieselmann damals. Es waren Zahlen, die er am Abend zuvor in einer Radiosendung des Senders RIAS gehört und auf sein Plakat gepinselt hatte. Bereits am Nachmittag war er in Haft. Ein Kollege hatte ihn denunziert: Ein Jahr Untersuchungshaft folgte im roten Backsteingebäude der Erfurter Andreasstraße. Jörg Drieselmann erzählt aus seinem Haftalltag:

    "N'Anwalt kannst du sehen. Aber - der ist einer von uns. Botschaft. Und wenn du mit dem Anwalt redest, dann redest du mit dem immer noch über das Wetter oder private Angelegenheiten. Aber nicht über das Ermittlungsverfahren. Mit dem Anwalt durfte ich erst reden nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens und Fertigstellung der Anklageschrift, wenn alle Messen gesungen waren."

    Die 16-Jährigen sitzen um ihn herum, kennen seine Akten, haben Briefe gelesen, Fotos gesehen und sich mit seinem Leben - speziell in der Haft - auseinandergesetzt.

    "Und da dachten wir, dass die Beziehung nur durch die ganzen Verhöre gekommen sind und dass da nicht Sympathie aufgekommen ist und zu dem Oberstleutnant wenig Sympathie und zu Doris - war Liebe - aber auch angespannt, während Sie in der Haft waren. Stimmt das so überein?"

    Jörg Drieselmann nickt. Doris, sagt er, ja, es war eine Schlüsselperson in seinem Leben. Auch sie wird wegen ihm verhaftet und versucht, sich das Leben zu nehmen. Die Stasi erpresst ihn:

    "Und plötzlich gerate ich ganz extrem unter Druck. Und von da an habe ich denen alles gesagt, was sie von mir hören wollten. Alles. Also auch vieles, was nichts mit Wahrheit und Wirklichkeit zu tun hatte!"

    Knapp ein Jahr später wird er verurteilt, kommt in die Haftanstalt Cottbus und wird wiederum ein Jahr später freigekauft:

    "Die Frage ist, wie ich heute damit umgehe, damals so eine Scheiße erzählt zu haben! Ich glaube mir ist es wichtig festzustellen, dass ich in dieser U-Haft-Situation, ich muss dort nicht Held sein. Ich fühle mich nicht schlecht deshalb, weil ich diesem Druck nachgegeben habe. Ich habe mich nicht wirklich in diese Drucksituation gebracht, und die Verantwortlichkeit liegt beim Ministerium für Staatssicherheit und nicht bei mir."

    Es sind klare Worte eines Menschen, der Abstand gewonnen hat durch ein neues Leben jenseits der - wie er heute sagt - sozialistischen Menschengemeinschaft. Wenn er heute mit Schülern redet, so trifft er auf Fragen und große Offenheit. Drieselmann redet über alles, seine Zelle, den Haftalltag, das heimliche Morsealphabet irgendwo versteckt, und den Willen, nicht aufzugeben. Seine Botschaft: Nehmt euer Leben in die Hand, passt auf und lernt aus der Geschichte:

    "Ich habe die Herrschaft der SED, wie soll ich das sagen, an ihren schmutzigsten Stellen gesehen."

    Wenn er älteren Lehrern gegenüber sitzt, zum Beispiel beim Plausch vor einer gemeinsamen Unterrichtsstunde, dann sei das manchmal schon beklemmend, für ihn - aber auch fürs Gegenüber - wenn man einer Generation angehöre, bemerkt er. Nicht alle können über dieses Gefühl so offen reden wie Lehrer Hartmut Gerlach:

    "Das ist auf jeden Fall komisch, das ist auch eine Erinnerung an unsere Zeit. Ich war ja damals auch Lehrer in der DDR. Ich würde mir wünschen, dass Schüler noch mehr eine Frage stellen: Wie war denn das bei Ihnen? Das machen sie nicht, das wäre für mich auch eine Herausforderung. Aber das ist schon eine interessante Erinnerung."

    Saalfeld in Ostthüringen.

    "Sie können da alle fragen, rings rumgehen und fragen: Wer ist der Roth? Da sagen die: Das ist der Stasi-Roth! Das sag' ich selber!"

    Stasi-Roth ist Bernd Roth, 62 Jahre alt, schwarze Jeans, schwarzes Jackett und schwarzes Base Cap. Groß, kräftig, offener Blick.

    "Wenn ich ein Haus verkaufe in Saalfeld, und ich mache einen ersten Kontakt als Makler, da kriegen die Leute sofort von mir im Anfangsgespräch gesagt. Sie wissen aber, worauf Sie sich hier einlassen? Vor Ihnen sitzt der Stasi-Roth! Ja, haben wir schon gehört. Ist okay!"

    Er ist keiner, der in Internet-Blogs oder internen Foren ehemaliger Stasi-Mitarbeiter die eigene Vergangenheit beschönigt. Er sagt: Hier bin ich, fragt mich, ich antworte:

    "Und da gibt's eben viele, die sagen: Aha, Hmm. Ich sage, wenn Sie nicht mögen, dann steh' ich jetzt wieder auf und geh."

    Das Thema ist sein Thema. Bis heute. Geboren 1951. Mit 16 Jahren zum ersten Mal angesprochen von einem Stasi-Kontaktmann. Ein Jahr später wurde er inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit. Die Karriere ging straff weiter: Unterleutnant, Leutnant, Oberleutnant, Hauptmann. Zuletzt war er Major - bis 1990: Dem Jahr seiner Entlassung aus dem Dienst des MfS, des Ministeriums für Staatssicherheit:

    "Wir haben zum Schluss Vorgesetzte gehabt, die haben wir selber schon abgewählt innerlich, die waren von unserem Standpunkt her schon gar nicht mehr vertretbar. Denken Sie, ich habe 1989 noch geglaubt, dass der Mielke in Berlin noch ein vertretbarer Mann wäre?"

    Erich Mielke - Chef der Staatssicherheit - hatte zuletzt 189.000 inoffizielle und 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter in seiner Behörde. Bernd Roth war einer davon. Sie haben gut verdient - das drei- bis vierfache eines normalen Arbeiters. Sie hatten Privilegien und Macht, Macht über Menschen zu entscheiden. Und sie hatten Angst zu versagen oder selbst fallen gelassen zu werden:

    "Jeder, der rausgeschmissen wurde, da hat man so richtig kräftig nachgetreten, der durfte nirgendwo wieder auf ein Podest kommen. Ich kenn dafür Beispiele."

    Wenn Bernd Roth heute über sein Leben in der DDR spricht, dann nicht, um sich reinzuwaschen, sagt er - sondern mit dem Anliegen, verstanden zu werden. Es war nicht gut. Ich entschuldige mich bei den Opfern, sagt er mit erhobenem Haupt - doch "in Sack und Asche gehen" will er nicht. Noch habe sich niemand bei ihm gemeldet, keines der Opfer, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ausweichen würde er nicht.

    "Ich bin auf dem Standpunkt, dass wir das richtig verstehen: Versöhnung ist nicht. Vergebensprobleme sind schwierig. Schlussstrichmentalität: Nein. - Aber es muss zumindest zulässig sein, dass wir differenzieren."

    Differenzieren "ja" - Versöhnen zwischen Tätern und Opfern: "nein". Das kann es nicht geben, sagt Bernd Roth. Dafür sei zu viel passiert. Der Blick in die Akten genüge. Nur wenige könnten diese überhaupt korrekt lesen, weil der Duktus manchmal fast übersetzt werden muss, um die Struktur dahinter zu verstehen. Er würde beim Übersetzen helfen, sagt der ehemalige Major. Und noch etwas: Die Akten müssen offen bleiben, so lange es Fragen gibt.

    Eike Malgut-Krumsdorf sitzt unter einem Sonnenschirm im Schrebergarten ihres Vaters. Auf ihren Knien liegt eine Mappe, aus der sie ein Foto holt. Sie legt sie auf den Tisch.

    "So war sie … Also sie war ganz klein, 1,53 und hatte auch einen sehr starken Charakter und hat sicher auch polarisiert."

    Die Fotografie zeigt eine Frau Ende 40, mit dunkelbraunen, kurz geschnittenen Haaren und einem entwaffnenden Lachen. Der Tochter fällt es leichter, über ihre verstorbene Mutter zu reden, wenn sie ein Bild von ihr vor sich hat. Beide Frauen stammen aus Halle an der Saale. Wenige Wochen nach der friedlichen Revolution verließ ihre Mutter Hals über Kopf ihre Heimatstadt. Sie wolle sich in Köln ein neues Leben aufbauen, ihr neuer Ehemann habe dort ein tolles Jobangebot, erzählte sie damals ihrer 16-jährigen Tochter. Erst Jahre später sollte Eike Malgut-Krumsdorf den wahren Grund erfahren, warum ihre Mutter damals so schnell die DDR verlassen wollte. Sie hatte Angst vor der Stasi, erzählt Eike Malgut-Krumsdorf. Ihre Mutter arbeitete als Fürsorgerin in einer Klinik und betreute Patienten mit Geschlechtskrankheiten. Manchmal brachte sie diese Akten mit zu uns nach Hause, erinnert sich die 38-Jährige.

    "Es gab über jeden Patienten Akten mit so einem Deckblatt. Und da wurden dann Name und Adresse eingetragen und unter anderem die verschiedenen Geschlechtspartner. Da gab es dann so Spalten eins, zwei, drei, ich weiß nicht, bis wohin die Spalten gingen. Auf jeden Fall musste jeder Patient seine Geschlechtspartner der letzten X-Monate eintragen mit Namen und Adresse."

    Menschen mit einer Aidserkrankungen mussten sofort gemeldet werden, erinnert sich Eike Malgut-Krumsdorf. Viele Patienten seien noch im Krankenhaus von der Polizei abgeholt worden, habe ihr später ihre Mutter erzählt. Was dann mit ihnen passierte, wusste sie sie nicht, aber sie empfand es als unmenschlich.

    "Also meine Mutter hatte von Patienten die Akten geschönt oder auch verschwinden lassen. Sie hat dann Geschlechtspartner einfach nicht angegeben von den Personen, weil sie nicht wollte, dass diese Leute dann Probleme bekommen. Oder sie hat dann wirklich Akten von ihren eigenen Patienten verschwinden lassen. Wie sie das gemacht hat, ob sie die verbrannt hat die Akten, geschreddert hat, irgendwo versteckt hatte oder bei uns zuhause hatte, das weiß ich nicht."

    Auch weiß sie nicht, über welchen Zeitraum ihre Mutter dies getan hat. Aber Ende 1989 warnte man ihre Mutter: Sie solle auf sich aufpassen. Man wisse, dass sie die Akten frisiere. Darum habe ihre Mutter Halle so schnell verlassen, erzählt ihre Tochter. Über die wahren Gründe habe sie jahrelang geschwiegen, ihr erst davon erzählt, als sie schwer erkrankt war. Bei der Stasiunterlagenbehörde wollte sie immer Akteneinsicht beantragen, habe es aber immer vor sich hergeschoben, sagt Eike Malgut-Krumsdorf. Das will die Tochter nun nachholen. Vor einigen Wochen hat sie bei der Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde in Halle den Antrag gestellt. Sie will wissen, was ihre Mutter damals getan hat, wer darüber etwas wusste und ob man sie womöglich bei der Stasi angeschwärzt hat. Aber egal welche Informationen ich in den Akten finde, ich möchte sie nicht verwenden, sagt die 38-Jährige. Sie findet es nur wichtig, all das endlich aufzuarbeiten.

    "Also ich denke, das ist sehr wichtig. Ich glaube, das ist vielleicht von der Nachfolgegeneration, also von uns, jetzt sicher einfacher, für Aufklärung zu sorgen als für unsere Elterngeneration, die da mitten drin gewesen sind. Wir sind unbedarfter. Für unsere Elterngeneration ist das schon schwieriger. Die haben halt diesen Staat aufgebaut und mitgetragen."

    Schadeleben. Ein 700-Seelen-Dorf. Idyllisch gelegen an einem See in Sachsen-Anhalt. In der Dorfmitte betreibt Holger Reinäcker eine Metallbaufirma. Der 53-Jährige engagiert sich im Gemeinderat. Nach der Wiedervereinigung haben wir nach vorn geschaut, nicht zurück, erinnert er sich. Lange wollte der Sohn nichts davon wissen, ob womöglich Nachbarn den eigenen Vater bespitzelten. Der wetterte regelmäßig gegen die DDR, ging auch nie zur Wahl.

    "Zum einen hatte man genügend zu tun in der Nachwendezeit. Und zum anderen muss ich ehrlich sagen, war mir bewusst, dass man mit diesem Thema höllisch was lostreten kann. Das haben wir damals vermieden."

    Inzwischen sieht Holger Reinäcker das anders. Auch er hat jetzt Einsicht in die Unterlagen seines verstorbenen Vaters beantragt.

    "Ich weiß von meinem Vater, dass er Stimmung im Dorf machen wollte. Und ich weiß, wer hier diese, na ja, ich sage mal in Anführungsstrichen, diese DDR-Freunde gewesen sind. Und das würde ich ganz einfach schriftlich bestätigt kriegen, ob da was dran ist oder ob da nichts dran ist."

    Seit die Bedingungen für eine Akteneinsicht Anfang Januar erleichtert wurden, habe sich die Anzahl der Anträge verdoppelt, sagt Uta Leichsenring, Leiterin der Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde in Halle. Sie hat festgestellt, dass vor allem Kinder, aber auch Enkelkinder, zunehmend wissen wollen, ob ihre verstorbenen Angehörigen in die Aktivitäten des DDR-Geheimdienstes verstrickt oder davon betroffen waren. Über das Thema Staatssicherheit sei in den Familien nur selten geredet worden. Doch oft spielten die Brüche im Leben der Eltern auch eine nachhaltige Rolle im eigenen Leben.

    "Dass sie dann irgendwann doch sagen, also ich möchte die Klarheit schon lieber haben. Teils für den eigenen Seelenfrieden, teils weil doch für viele die Klarheit und die Wahrheit, auch wenn sie vielleicht schmerzlich ist, wichtiger ist, als dieses nicht Wissen wollen und das Verdrängen."

    "Ich werde ja selbst in meinen eigenen Reihen nun als Verräter abgestempelt."

    Bernd Roth steht in Saalfeld auf einer bewaldeten Kuppe und blickt nach oben. Eine zusätzliche kleine Existenz hat er hier aufgebaut: Thüringens zweiten Hochseilgarten.

    "Es ist nicht so, als wenn das normal wäre, was wir hier miteinander tun. Das wissen Sie genauso gut wie ich. Da gibt's hier schon in Saalfeld Leute, die sagen: der Verräter Roth. Und damit muss ich auch zurechtkommen. Es gibt andere Offiziere, die sagen, Mensch das ist toll."

    Das Lärchenholz glänzt silbern, die Seile sind unbenutzt an einem verregneten Frühlingstag. Roth blickt nach oben.

    "Ich bin doch nur der dreiste Sturkopf, der sich rausgewagt hat; aus der Deckung rauszugehen."

    Bernd Roth vor wenigen Monaten in Erfurt. Es ist eine Veranstaltung der Evangelischen Kirche - auf dem Podium sitzt Landesbischöfin Ilse Junkermann; neben ihr Marianne Birthler - Amtsvorgängerin von Roland Jahn in der Stasi-Unterlagenbehörde. Ihr Thema: Versöhnung von Tätern und Opfern und wie die Kirche damit umgehen kann. Der Saal im Augustinerkloster ist bis zum letzten Platz gefüllt.

    Als der ehemalige Stasi-Mitarbeiter Bernd Roth an das Mikrofon tritt, verstummt die Menge. Die Blicke sind auf ihn gerichtet. Auf einen, der symbolisch die Hand ausstreckt, das Gespräch anbietet und Entschuldigung sagt. Er kehrt an seinen Sitzplatz zurück. Ein älterer Mann neben ihm nickt ihm anerkennungsvoll zu.

    "Das, was ich heute tue, ist vielleicht eine Art Wiedergutmachung - aber nicht aus einem rationalen Verständnis heraus, sondern aus einem emotionalen Verständnis heraus - das kann schon so sein."

    Er stehe zu allem, was er gemacht habe: die Pläne für Observierungen, das Bespitzeln von Menschen, die man für angeworbene Spione des Westens hielt. Wirtschaftsspionage-Abwehr war sein Feld. Was aus jenen wurde, die durch sein Tun an die sogenannte Abteilung 9 und von dort in Haftanstalten geliefert worden sind - hat er nicht erfahren, sagt Bernd Roth heute.

    "Auch das ist verkehrt, wenn man heute meint, die 9, also die Untersuchungsabteilung ist für alles verantwortlich, was an schlimmen Dingen passiert ist. Verantwortlich ist der Mitarbeiter, der es angefangen hat, und verantwortlich ist der Mitarbeiter, der gesagt hat, daraus mache ich einen Fall, obwohl es vielleicht schon im Anfang kein Fall war."

    Der "Fall Drieselmann" war aus Sicht der Stasi selbst dann nicht abgeschlossen, als jener bereits in Westberlin studierte. Nach seinem Freikauf durch den Westen half Jörg Drieselmann anderen Republikflüchtlingen. Die Stasi hatte ihn noch immer im Visier. Heute ist er Geschäftsführer der Gedenkstätte Normannenstraße und arbeitet in jenem Gebäude, von dem aus die Stasi ihr Imperium lenkte. Heute, sagt Drieselmann, kenne er auch den Namen des Offiziers, der ihn damals drangsalierte:

    "Wir wurden mit Nummer angesprochen. "Eins" mitkommen! - und dann wurde man irgendwohin gebracht, meist in Zimmer 8, wo der Oberleutnant saß, wo ich heute erst weiß, dass er Sieder mit Namen heißt."

    Wenn Drieselmann über Versöhnung nachdenkt, so hinterlässt das auch bei ihm einen bitteren Beigeschmack:

    "Kein Platz! Absolut kein Platz für irgendeine Sympathie. Das könnte ich mit Stasi-Mitarbeitern, mit denen ich nichts zu tun hatte. Da könnte ich sagen: 'Ja, ich verstehe es, wie man auf der schiefen Ebene in diesen Apparat rutschen kann'. Aber das geht nur auf der "über-individuellen" Ebene. Es geht nicht mit Sieder!"

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1778798/

  • Morgen kommen Reporter zu mir wegen Roberto//07.06.2012

    Bella-Artikel 01.010.2008

    Morgen werden Reporter zu mir kommen und sich wegen der DNA von Roberto Yanez/Dirk Schiller mit mir unterhalten. Wir werden auch ein Video aufnehmen für Roberto. Mit der Bitte mir die DNA zu geben.
    Es wird sehr aufregend, denn wie soll ich dieses Gespräch und mein Anliegen an Herrn Roberto stellen.
    Wie kann ich ihm sagen wie wichtig es für mich ist. Ihr wisst alle wie sehr mir die Sache am Herzen liegt, aber jetzt schon pocht mein Herz mehr als sonst. Nun wir werden es trotzdem meistern und ich werde euch davon berichten. Drückt mir die Daumen, dass er dann auch die DNA abgibt.Hier geht es ja nun nicht mehr um Dirk allein, nein es wird mit dem Enkel von Honeckers auch politisch. Es ist schade, dass nicht die Behörden solche Dinge veranlassen.
    Nun bin ich ja seit dem Tag der vermissten Kinder 25.05.2012 im Verein Missingscout - Deutschland
    logoneu,Missingscout,08.05.2012
    und werde auch für andere Vermisstenfälle diese Schiene fahren. Es muss aber immer erstmal einer den Anfang machen.
    Euch noch einen schönen Tag von Heidi

  • Schlafende Hunde//04.06.2012

    Tatort in der Das Erste Mediathek

    Tatort verpasst? Das Video zu "Schlafende Hunde" finden Sie hier als Livestream und nach Ausstrahlung sieben Tage lang in der Das Erste Mediathek. Außerdem: Hintergrundberichte, Interviews und mehr.

    Dieser Tatort gestern im Ersten war endlich mal Aufarbeitung, Aufklärung über die Wirklichkeit heute.
    Hier wurde mal gezeigt, dass die Stasi noch existiert und noch arbeitet. Meißt natürlich um ihre Akten zu vernichten und ehemaligen Opfern das Leben schwer zu machen. Selbst erlebe ich es laufend, wie man Opfer zersetzt. Auch mir haben die das Leben schwer gemacht, mal mit unmöglichen Postsendungen und Lieferungen eines Rollstuhls, eines Bücherregal und Kindersachen in der Größe von Dirk wie er damals spurlos verschwand. Es wurden mir Versicherungspolicen auf Tod und Invalidität geschickt. Weiter hat man mir Mails gesandt, die mich arg angegriffen haben. Polizei und Staatsanwaltschaft konnten mir leider nicht helfen, diese Gauner zu ermitteln.leider haben die Filmemacher die Akten als kleine Akte dargestellt, wenn ich mir überlege, dass meine Akte einen Umfang von 1300 Seiten hat, welche ich in drei Aktenordener abgeheftet habe, daa erscheinen mir die akten im Film zu mager, denn auch von den Stasileuten exestierten Akten.
    Hier nochmal die Erklärung des Wortes Zersetzung:

    Zersetzung (Ministerium für Staatssicherheit)

    Dieser Artikel behandelt die Zersetzung als Arbeitstechnik des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Für andere Bedeutungen, siehe Zersetzung

    Richtlinie Nr. 1/76 zur Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge (OV) des Ministeriums für Staatssicherheit
    Die Zersetzung war eine vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR eingesetzte geheimpolizeiliche Arbeitstechnik. Sie diente zur Bekämpfung vermeintlicher und tatsächlicher politischer Gegner. Die im Rahmen einer 1976 erlassenen Richtlinie definierten Zersetzungsmaßnahmen wurden vom MfS vornehmlich in den 1970er und 1980er Jahren in Operativen Vorgängen gegen oppositionelle Gruppen und Einzelpersonen eingesetzt. Fast durchgehend konspirativ angewandt, ersetzten sie den offenen Terror der Ära Ulbricht.
    Als repressive Verfolgungspraxis beinhaltete die Zersetzung umfangreiche, heimliche Steuerungs- und Manipulationsfunktionen bis in die persönlichsten Beziehungen der Opfer hinein. Das MfS griff dabei auf das Netz an „Inoffiziellen Mitarbeitern“ (IM), staatliche Einflussmöglichkeiten auf alle Arten von Institutionen sowie die „Operative Psychologie“ zurück. Durch gezielte psychische Beeinträchtigung oder Schädigung versuchte das MfS auf diese Weise, den als Gegnern bzw. Feinden wahrgenommenen Dissidenten und Oppositionellen die Möglichkeiten für „feindliche Handlungen“ zu nehmen.
    Durch die Offenlegung zahlreicher Stasi-Unterlagen in Folge der politischen Wende in der DDR ist der Einsatz von Zersetzungsmaßnahmen durch das MfS gut dokumentiert. Schätzungen gehen von einer insgesamt vier- bis fünfstelligen Anzahl von Personen aus, die mit Zersetzungsmaßnahmen belegt wurden.[1] Schätzungen zufolge wurden unter 5000 von ihnen hierdurch „nachhaltig geschädigt“.[2] Opfer von Zersetzungsmaßnahmen haben bei nachweislicher systematischer, beruflicher und/oder gesundheitlicher Schädigung durch das MfS einen Anspruch auf Rehabilitation gemäß 2. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz.

  • Heime in der DDR Die vergessenen Kinder//03.06.2012

    Heime waren wie Gefängnisse für die Kinder der ehemaligen DDR. Was hat man hier mit den Kindern gemacht? Ihre Psyche ist kaputt und keiner kann das heilen. Meine Kinder waren gottseidank nicht in Heimen untergebracht als wir in Haft waren.aber sie leben heut noch im Trauma, man hatte ihre Eltern weggenommen. Es war schlimm und vor allem unmenschlich.Heidi
    Heimkinderentschädigung,23.08.2011
    Heime in der DDR
    Die vergessenen Kinder

    Im Heim war Nicole Groppler Nummer 165. Eingesperrt wegen der „Gefahr sozialer Verwahrlosung“. Ihre Mutter kämpfte um ihre Freiheit. Heute kämpft Nicole um Anerkennung.von Simone Schmollack

    Viel mehr als ein Glühbirne gab es nicht im Bunker. Und dann dieser Geruch: feucht, muffig.

    BERLIN taz | Einmal ist sie sieben Tage und sieben Nächte hintereinander im „Bunker“ eingesperrt. So nennen die Mädchen und Jungen im Spezialkinderheim „Maxim Gorki“ im sächsischen Weißwasser die Arrestzelle.

    Fensterloser Kellerverschlag, Betonboden, Glühbirne, Eimer zum Pinkeln. Nicole Groppler erinnert sich, wie es im Bunker gerochen hat – „feucht, kalt, muffig“. Sie schläft auf dem kahlen Boden, ohne Matratze, ohne Decke. Am Tag muss das Mädchen auf dem festgeschraubten Hocker sitzen, durch den Spion wird sie kontrolliert.

    Nicole Groppler war 13 Jahre alt, als sie im September 1984 bei „Gorkis“ eingeliefert wurde, wegen „Gefahr der sozialen Verwahrlosung“. Heute ist sie vierzig und eine wütende Frau. „An alle möglichen Opfer des DDR-Regimes wurde nach dem Mauerfall gedacht, nur wir wurden vergessen“, sagt sie.

    „Wir“ – das sind jene Kinder und Jugendlichen, die in der DDR in Spezialheime für Schwererziehbare oder in Jugendwerkhöfe eingewiesen wurden. Manche kamen aus schwierigen Verhältnissen, andere waren kriminell geworden. Und wiederum andere füllten schlicht nicht das Bild aus, das die DDR eine „allseitig gebildete sozialistische Persönlichkeit“ nannte.

    Nicole Groppler verbrachte ein Jahr in Weißwasser. Heute erinnert in der Werner-Seelenbinder-Straße nichts mehr an das „Gorki“. Der Plattenbau wurde vor ein paar Jahren abgerissen. 120.000 Kinder und Jugendliche sollen in der DDR in den Spezialheimen und Jugendwerkhöfen gewesen sein. Das hat der Politologe Christian Sachse herausgefunden, der bis 1990 Pfarrer in Torgau war.

    Die sächsische Stadt ist bekannt für einen der grausamsten Jugendwerkhöfe. Es gab aber auch „normale“ Heime, unter anderem für Waisen, in denen die Kinder nicht geprügelt und gedemütigt wurden. Insgesamt sollen bis zu 600.000 Kinder in Heimen gelebt haben.

    Nicole Groppler ist klein, in ihrem streng gebunden Zopf leuchten blonde Strähnchen. Sie will nur mit ihrem Mädchennamen in der Zeitung stehen. Ihre Familie will sie von ihrer Vergangenheit fernhalten. Sie will, dass ihr jetziges Leben, mit Mann, zwei Kindern und einem Job, nicht durch die Erinnerungen gestört wird. Doch das geht nicht, und das weiß sie auch.

    „In den Bunker kam ich, weil ich versucht habe abzuhauen“, erinnert sie sich. „Nach einem halben Jahr habe ich es nicht mehr ausgehalten in dem Heim, mit den prügelnden Erziehern und mit manchen Kindern, die mit der Zeit auch brutal wurden. Ich wollte immer nur weg.“
    Schläge und Angstzustände

    Bei ihrer Ankunft in Weißwasser hat man ihr den Schädel kahlrasiert, sie musste ihre Sachen abgeben und bekam eine Nummer: 165. Sie wurde gynäkologisch zwangsuntersucht. „Ich hatte keine Ahnung, was da mit mir geschieht.“ Heute leidet sie an einer chronischen Bronchitis, an Albträumen, Angstzuständen und Rückenschmerzen. Sie könnte auf Kommando in kürzester Zeit Essen runterschlingen.

    Die Tage im Heim verliefen im gleichen Rhythmus: Morgens mussten die Kinder ihre Betten faltenfrei herrichten, wenn nicht, setzte es Schläge. Jeden Tag mussten die Mädchen und Jungen Flure und Zimmer sauber machen. „Einmal musste ich das Klo mit meiner Zahnbürste putzen. Und abends damit meine Zähne“, sagt Nicole Groppler.

    Das Zimmer, in denen sie mit fünf anderen Kindern schlief, wurde häufig abgeschlossen. Das Grundstück durften sie nicht verlassen, es gab keine Spiele, nur ein wenig Bastelzeug und ein paar Bücher. Manchmal mussten die Kinder aufs Feld, zur Zuckerrübennachernte, offiziell hieß das „Arbeitserziehung“. Einmal in der Woche durften sie fernsehen, tanzte jemand aus der Reihe, wurden alle bestraft: Fernsehverbot, Zusatzsport und Sperre der eh seltenen, kurzen Heimatbesuche.

    Nicole Groppler trommelt mit den Fingern auf den Leitz-Ordner, der vor ihr auf dem Küchentisch liegt, ihr Blick fliegt aus dem Fenster vorbei an ein paar Fotos ihrer Kinder direkt ins Grün des Vorgartens im Berliner Speckgürtel, wo sie wohnt. In dem Ordner steckt ihr Leben in Weißwasser: Briefe, Amtsmitteilungen, handschriftliche Vermerke. Es ist nicht viel, aber es reicht, um einen Eindruck zu bekommen von der Willkür, die Nicole Groppler und ihre Mutter erfahren haben.
    Die Akte der guten Schülerin

    Sommer 1984 – der August ist kalt, an der Ostsee fliegen die Zelte weg, im Elbsandsteingebirge regnet es. Nicole verbringt ihre Ferien zuhause in Berlin, sie und ihre Mutter wohnen in Prenzlauer Berg. Auf dem Alexanderplatz lernt das Mädchen ein paar Punks kennen, mit denen sie dreizehn Tage durch die Gegend zieht. Zwei, drei Nächte kommt sie nicht nach Hause. Die Mutter macht sich große Sorgen, hat das Gefühl, die Tochter entgleitet ihr. Seit der Scheidung von Nicoles Vater ist alles so schwierig.

    Die Frau geht zum Jugendamt, sie will Hilfe, einen Rat. Dort führt man sie in ein Zimmer und sagt ihr: Wir müssen in der Schule nachfragen. Im Nebenraum wird eine Akte auf Nicoles Namen angelegt. Darin steht wortwörtlich: „Nicole ist mit ihren 12 Jahren in einer negativen Gruppierung älterer Jugendlicher vom Alextreff integriert. Sie gibt sich als Fünfzehnjährige aus und hat ihr persönliches Aussehen der Gruppe angenommen.“

    Die Mutter weiß davon nichts, sie ahnt nicht, dass ihr Gang zum Jugendamt schwere Folgen haben wird. Zwei Wochen später, am 19. September, wird sie aufs Jugendamt bestellt. Der Grund: „Beschluss zur Sicherung der weiteren Erziehung und Entwicklung des Kindes Nicole Groppler“. So steht es in der Akte. Zu dieser Zeit ist Nicole längst wieder zu Hause, die Schule hat begonnen und Nicole ist eine gute Schülerin. Aber das hat plötzlich keine Bedeutung mehr.

    Kurz darauf holen zwei Mitarbeiter des Amtes das Mädchen von der Schule ab und bringen es zunächst in ein Übergangsheim in Berlin, ein paar Tage später geht es nach Weißwasser. Noch am selben Abend stehen diese Mitarbeiter auch vor der Tür der Mutter. Sie haben sie gezwungen, „die Papiere zu unterschreiben und mich freizugeben“, sagt Nicole Groppler.
    Ein Jahr, ein Kampf

    Die Mutter ist hilflos. Sie will ihr Kind zurück. Am nächsten Tag nimmt sie einen Kampf auf, der ein Jahr dauern soll, ein Kampf gegen die Behörden und gegen das Heim – und ein Kampf gegen sich selbst. Nicole Groppler sagt, auch heute noch mache sich ihre Mutter Vorwürfe. Mit der Presse will sie nicht reden. Die Tochter versteht das.

    Hätte die Mutter wissen müssen, dass ihr Gang zum Jugendamt gefährlich sein kann? Damals kursierten zahlreiche Gerüchte und Geschichten über Mütter und Väter, die einen Ausreiseantrag gestellt oder sich auf andere Weise gegen den Staat gestellt hatten und denen die Kinder weggenommen wurden.

    Auch Nicoles Mutter hatte einen Ausreiseantrag gestellt, 1976 schon, er war abgelehnt worden. Seitdem war die Familie im Visier der Behörden, für Nicole wurde eine Stasiakte angelegt, sie war damals fünf Jahre alt.
    „Trotz guter Leistungen …“

    Im „Maxim Gorki“ in Weißwasser dreht Nicole fast durch, versucht dennoch möglichst „unauffällig“ zu sein und ihre Chance auf eine baldige Entlassung zu steigern. Nicole habe „ein gepflegtes Äußeres“, sie bemühe sich „um Ordnung und Sauberkeit im gesamten Gruppenbereich“ und komme „allen Anforderungen nach“, heißt es in den Berichten. In der Schule schreibt sie Zweien, für die anderen ist sie eine Streberin.

    Die Mutter telefoniert mit der Heimleitung, mit dem Jugendamt, mit dem Ministerium für Volksbildung. Man macht ihr Hoffnung, dass sie ihre Tochter bald abholen kann – und führt sie an der Nase herum. Am 24. September protokolliert „OL Dipl.-Päd. Spielmann“: „Trotz guter schulischer Leistungen gelingt es ihr im Verhaltensbereich nicht kontinuierlich, den Anforderungen gerecht zu werden.“ Nicole bleibt in Weißwasser.

    Sie wird krank und muss operiert werden, die Mutter findet einen Arzt, der bescheinigt, dass das Mädchen dringend rausmuss aus dem Heim. Dann geht alles sehr schnell: Im Oktober 1985 darf die Mutter ihre Tochter abholen, im Januar 1986 heiratet sie einen Westdeutschen, stellt erneut einen Ausreiseantrag und schon einen Monat später siedeln Mutter und Tochter nach West-Berlin über.

    Ich habe Glück gehabt, sagt Nicole Groppler. „Jeder Tag länger im Heim hätte Gefahr bedeutet. Die Heime waren dazu da, Kinder zu brechen.“ Viele ehemalige Heimkinder leiden an schweren Depressionen, sie sind unfähig zu arbeiten oder haben nie eine Ausbildung absolviert. Sie sind „beziehungsunfähig“ und haben jegliches Vertrauen verloren. Dafür wollen sie eine Entschädigung. Nicole Groppler will ihnen helfen, diese zu bekommen. Ihr gehe es einigermaßen gut, sagt sie. Gerade gründet sie einen Verein, der politische Lobbyarbeit betreiben soll.
    Wunsch nach politischer Anerkennung

    Nicole Groppler fordert, dass das, was Heimkinder erlebt haben, politisch anerkannt wird. Sie will, dass man ihnen zuhört, auch wenn die Kameras und Mikros nach den Pressekonferenzen schon ausgeschaltet sind. Und sie hofft auf ein wenig Geld für die erlittenen Qualen.

    Anerkennung und Geld soll es bald geben. Ab Juli können ehemalige Heimkinder bei einem 40 Millionen Euro großen Fonds Anträge stellen, für Psychotherapien, Rollatoren, Spezialmatratzen. Manuela Schwesig, SPD-Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern, sagt stellvertretend für alle Sozialminister der Ostländer: „Wir übernehmen die politische Verantwortung.“

    Das alles reicht Nicole Groppler nicht. Auch die Gesetze sollen geändert werden, fordert sie. Zum Beispiel das Strafrechtliche Rehabilitierungsgesetz (StrRehaG), das politische Opfer entlastet, die in der DDR zu Unrecht verurteilt wurden. Es solle auch für ehemalige Heimkinder gelten. Dann könnten sie höhere Renten erwarten, sagt Nicole Groppler, ohne besondere Belege.

    Denn häufig haben die Betroffenen keine Unterlagen, keine Akten, keine Fotos, nichts. Vieles ist geschreddert. Die Heimkinder haben nur ihre traumatisierenden Erinnerungen. Nicole Groppler sagt: „Man muss ihnen einfach glauben.“
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  • Gillhoff-Preisträger war Stasi-IM//02.06.2012

    Bautzen II 007hier in Bautzen II haben viele politische Häftlinge gesessen, ich auch.

    Gestern habe ich erst darüber geschrieben, dass viele von der Stasi gut untergekommen sind und ihre Posten gesichert haben. sie werden geehrt und hochgehoben und was ist mit den Opfern? Meißt haben die noch keine Anerkennung und auch keine gesundheitliche Entschädigung, weil eben solche Lumpen da arbeiten und die Hand im Spiel haben. Hallo ihr Politiker, es gibt zu viele Opfer um die sich keiner kümmert und ich weiss aus Erfahrung diese Opfer sind sehr krank und vor allem traumatisiert.Heidi

    Gillhoff-Preisträger war Stasi-IM

    von Siv Stippekohl und Rainer Schobeß, NDR 1 Radio MV

    Die Stasi-Landesbeauftragte Marita Pagels-Heineking übt Kritik an der Vergabe des Gillhoff-Preises. Die renommierte Auszeichnung soll am 9.Juni 2012 an den plattdeutschen Autor Jürgen Rogge gehen - einen Psychiater, der nicht nur Bücher geschrieben hat, sondern auch Berichte für die Stasi. Rogge habe damit Vertrauen mißbraucht und als inoffizieller Mitarbeiter gegen die ärztliche Schweigepflicht verstoßen. Es sei bedenklich, wenn so jemand einen solchen Preis bekomme, sagte die Landesbeauftragte dem NDR. Die Gillhoff-Gesellschaft will dagegen an ihrem Preisträger festhalten und ihn für sein bisheriges plattdeutsches Werk ehren.

    Rogge war Psychiater im Haftkrankenhaus

    Up platt schreibt Jürgen Rogge erst seit ein paar Jahren. Seit dem 89. Geburtstag einer Tante aus seinem Geburtsort Kuhstorf bei Hagenow. "Sie sagte: 'Schenk mi nix. Ick heww allens, ob ick noch 90 ward, weit ick nich.' Und da dachte ich so bei mir, schreibst du was aus Kuhstorf." "Geschichten ut Kauhstörp" hieß sein erstes Büchlein. Jürgen Rogge ist 71. Er arbeitet als psychiatrischer Gutachter für Rententräger und Sozialgerichte. Zu DDR-Zeiten war er von Mitte der 1970er-Jahre bis 1989 Leiter der psychiatrischen Abteilung im Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf, wo auch politische Häftlinge aus Hoheneck oder Bautzen behandelt wurden.

    Seit 1980 von der Stasi als IME geführt

    Vor dem Gespräch mit dem NDR hat Jürgen Rogge seinen Anwalt konsultiert. Dessen Empfehlung: Kein Interview mit Kamera und keine Stellungnahme zu der IM-Akte, die dem NDR vorliegt. Seit 1980 führte die Stasi Jürgen Rogge als IME, als Inoffiziellen Mitarbeiter im besonderen Einsatz, in einer Schlüsselposition, Deckname: "Georg Husfeldt". Es gibt eine handschriftliche Verpflichtungserklärung vom Mai 1976. Nach 1990 wurden in der Gauck-Behörde leere Aktendeckel gefunden - 304 Blatt Papier, so ist es vermerkt, wurden vernichtet.

    Erhaltene Berichte über Treffs

    Erhalten sind Berichte über Treffs, die ab 1986 regelmäßig in einer konspirativen Wohnung stattgefunden haben. Der IM berichtet darin über Kollegen und auch über Strafgefangene. Jürgen Rogge, damals als Chefarzt im Rang eines Oberstleutnants im Strafvollzug, erinnert sich an den offiziellen Verbindungsoffizier des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Haftkrankenhaus: "Als einmal zum Beispiel der Ärztliche Direktor sagte, ich solle dem Verbindungsoffizier das Krankenblatt so und so zeigen, da hab ich gesagt: 'Nein, das mach ich nicht.' Und dann hat er gesagt: 'Ist okay, dann bring mir das.' Das musste ich, und dann hat der das dem gezeigt. So lief das ab."

    Keine Stellungnahme zur IM-Akte

    Hat Jürgen Rogge auch inoffiziell mit dem MfS zusammengearbeitet? "So lange ich die Akte selber nicht kenne, die über mich existiert, werde ich mich zu dem Thema nicht äußern wollen." Frage: "Es gibt eine Verpflichtungserklärung. Können Sie sich daran erinnern, die geschrieben zu haben?" - "Da muss ich mich wiederholen, solange ich die Akte selber nicht gesehen habe, nehme ich dazu nicht Stellung." Frage: "Und wenn ich sie Ihnen zeige?" - "Ja, Sie können sie mir zeigen, aber ich sage dazu nichts."

    Jeder einzelne habe in der DDR in eine Situation geraten können, die er selber nicht hat beherrschen können, wo er sich möglicherweise erpresst fühlen musste, erzählt Jürgen Rogge. "Also ich hätte nicht gewollt, irgendetwas zu tun, mich zurückzuziehen oder abzudanken oder zu sagen: 'Hier arbeite ich nicht mehr', oder wie auch immer, was zum Beispiel zur Folge gehabt hätte, meine Tochter hätte die KJS verlassen müssen und meine Eltern hätten nicht mehr in den Westen fahren können." KJS - das war die Kinder- und Jugendsportschule. Zu seiner ärztlichen Tätigkeit im Haftkrankenhaus lasse er sich pauschal nichts Negatives nachsagen, sagt Jürgen Rogge.

    Historikerin: Doppelfunktion der Ärzte im Haftkrankenhaus

    Die Historikerin Juliane Meyer hat über die medizinische Versorgung von Häftlingen in der DDR promoviert. Sie sagt, die Ärzte im Haftkrankenhaus hatten eine Doppelfunktion: "... weil sie nicht nur für das Ministerium für Gesundheitswesen gearbeitet haben, sondern auch für das Ministerium des Innern. Und dadurch hatten sie auch diese Funktion zu erfüllen, dass sie nicht nur ihrer ärztlichen Pflicht nachkamen, sondern auch der eines Beamten im Vollzug."

    Kritik von Stasi-Landesbeauftragter

    Die Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen, Marita Pagels-Heineking, hat sich zwischenzeitlich an die Gillhoff-Gesellschaft gewandt. Die literarische Qualität von Jürgen Rogges Werk könne sie nicht beurteilen, sagt sie: "...wenn ich aber weiß, dass ein Autor einen Preis bekommt, der auch wirklich das Vertrauen missbraucht hat, dann finde ich das schon sehr, sehr bedenklich." Hartmut Brun, der Vorsitzende der Gillhoff-Gesellschaft, hat sich nach dem Gespräch mit der Stasilandesbeauftragen mit den andern vier Vorstandsmitgliedern der Gesellschaft beraten. "Jürgen Rogge bekommt den Preis nicht für das was er getan hat, sondern für das, was er tut - nämlich Bücher schreiben. Der Vorstand der Gillhoff-Gesellschaft ist sich einig: Am 9. Juni bekommt Jügen Rogge hier in Glaisin den Gillhoff-Literaturpreis."

    http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/gillhoffpreisrogge101.html

  • Hörgang öffnet in früherem Stasi-Gefängnis Bautzen II//01.06.2012

    Hörgang Bautzen II,01.06.2012Hörgang Bautzen II,01.06.2012.bmp1

    Auch ich habe heute eine Einladung nach Bautzen II bekommen. Immer und ständig wurden sogar Häftlinge abgehört und bewacht. Was sollten wir denn machen können? Keiner konnte da abhauen oder was anderes tun außer denen ausgeliefert zu sein . Heute sehe ich diese totale Überwachung mit
    Abstand habe aber immer bei dem Gedanken daran ein mulmiges Gefühl. Sie wusten wo mein roter Teppich lag, wo was in unserem Haus stand, sie wußten wann ich meine Kinder in Schule und Kindergarten brachte sie wußten, wann ich bei meiner Mom war über was wir uns unterhalten haben, denn sie haben außer ihren Spitzeln ja auch Wanzen bei meiner Mom installiert. Diese wurden nach der Wende von einem Elektrieker gefunden.
    Wir waren doch viel zu unerfahren, wie so viele ehemalige DDR- Bürger und trotzdem hat man uns überwacht. Anstatt meinen Sohn zu suchen haben sie uns das Leben schwer gemacht und ins Zuchthaus gesteckt und wie ich schon einige Zeit weiss, wurden wir auch da abgehört. Diese Verbrecher sitzen heut in hohen Funktionen in Politik und Wirtschaft und können ihrer Gesinnung entsprechend wieder Unfug machen an und mit den Menschen. Ich wollte doch nur meinen Sohn wieder haben. Heut bin ich eine Kämperin und keiner kann mich mehr aufhalten außer der Tad. heidi

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    Hörgang öffnet in früherem Stasi-Gefängnis

    Bautzen. Besucher der früheren Stasi-Sonderhaftanstalt in Bautzen sollen künftig die Geräuschkulisse in Haft besser nachempfinden können. Am 6. Juni öffnet der „Hörgang Bautzen II“, teilte die Gedenkstätte in der Spreestadt am Dienstag mit. Dabei soll akustisch ein Eindruck vermittelt werden, was Isolation und Überwachung für die Insassen in dem berüchtigten Gefängnis bedeuteten. Diese Form der Vermittlung sei in der Gedenkstättenlandschaft bislang einmalig.

    sz-online.de

    welt.de

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