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Noch ist der Blog eine kleine Baustelle und wir arbeiten daran alles übersichtlicher zu gestalten. Danke für euer Verständnis.

  • Vorsicht, auf deutschen Autobahnen wird geschossen//21.11.2009

    Irgendjemand schießt da auf deutschen Autobahnen.

    Bisher waren es um die 240 gezählen Einzeltaten.

    Die jeweilige Zielscheibe sind stets Autotransporter, die Neuwagen aller Marken geladen haben.

    Und wieder einmal schiebt die (hilflose!) Polizei es auf (wahlweise - wählt selbst, welche Version euch am besten gefällt):

    a. verrückt gewordene Umweltschützer (!)
    b. verrückt gewordene Spieler eines virtuellen Computerspiels

    Komisch, dass die Polizei diesmal nicht "Jugendliche" als Wahl c angeben, nicht wahr? So wie bei den über 700 Laserangriffen auf deutsche Flughäfen.
    Und merkwürdig auch, dass sie diesmal nicht "Racheakte" als Motiv angegeben hat, wie bei den schon täglichen Brandanschlägen auf x-beliebige PKWs in Berlin und Hamburg.

    Okay, diesmal also wohl nicht c ("verrückte Jugendliche") und auch nicht d (Racheakte verrückter Einzeltäter, dies jedoch dutzendweise gleichzeitig und jede Nacht wieder).

    Also müssen diesmal "militante Umweltschützer" (eine Unverschämtheit dem Umweltschutz engagierter Bürger gegenüber!) oder "berserke Online-Spieler" herhalten.

    Nicht zu vergessen ist eine weitere spekulative Variante der Polizei - nämlich der ominöse, mysteriöse "Serientäter", der gleich 240 Mal und das in (bisher) 11 Bundesländern zuschlägt...

    Da wir diese neuesten Schuldzuschiebungen von offensichtlich organisierter Kriminalität genauso abstrus finden wie Jugendliche, die (von sich aus und ohne Fremdfinanzierung und Fremdeinweisung!) mit teuren Lasergeschützen Piloten beim Landen blenden, oder einen Anstieg von rachesüchtigen Privatbürgern um das Tausendfache, die es alle jeweils auf den PKW ihres Racheopfers abgesehen haben (und auch alle so geschickt bzw. geschult vorgehen, dass sie allesamt nicht erwischt werden, genau wie die Lasertäter und nun auch die Autobahnschützen, haben wir noch zwei Kommentare von SZ-Lesern unter den Artikel der Süddeutschen - siehe unten - gesetzt.

    Also gut, entweder haben wir es mit einem neuen Schweinevirus zu tun, der Gewissen und gesunden Menschenverstand deutscher Bürger (Jugendliche, Rachsüchtige, virtuelle Spieler, Umweltschützer...) angreift und sie alle zu Serientätern und Psychopathen macht...

    ... oder aber wir haben es mit organisierter (Wirtschafts-)kriminalität zu tun, die sich alles mögliche ausdenkt - und Tausende von Mitarbeitern hat -, um an Millionen und Abermillionen Euro zu kommen. Und die die Konkurrenz ausschaltet - durch Täter und Taten dieser Art.

    Man sollte sich fragen, wem diese Schüsse schaden - eben falls es sich doch nicht nur um rabiate "Serientäter" mit Omnipräsenz und Profiqualifikationen handelt.

    Sie schaden erst einmal den Versicherungen der Sattelschlepper.
    Die irgendwann die Versicherung aufkündigen.
    Und sie schaden den Speditionen, wenn die Fahrer aus Todesangst kündigen und fortan lieber Aldi statt Autos transportieren wollen.
    Möglicherweise sollen auf diese Weise Konkurrenz-Speditionen ausgeschaltet werden? Wer weiß. Die Ausführung, Systematik und Häufigkeit der einzelnen Vorfälle deutet jedenfalls - genau wie bei den Autobrandanschlägen und den Laserattacken - auf eines hin.

    Und das gibt es längst in Deutschland (siehe www.juergen-roth.com, der Deutschland-Clan).

    Ein Riesennetzwerk aus organisierter Kriminalität. Eine deutsche (Wirtschafts-)mafia. Die an immer mehr Stellen ansetzt, an denen es viel Geld zu verdienen gibt.

    Opfer von organisiertem Stalking beobachten diese Entwicklung schon seit Jahren. Diese Mafia fing auffallend im Jahr 2001 an, auch westdeutsche Privatbürger auszuspionieren, zu stalken und zu terrorisieren. Überall in Deutschland und überall vernetzt. Und mit sehr, sehr vielen Mitarbeitern in sehr, sehr, vielen Firmen und (Handwerks-)betrieben, die sich so ein schönes Zubrot der anderen Art verdienen. Sowie mit offensichtlichen Mittätern der polnischen und der russischen Mafia (ach so, die gibt es also, aber eine deutsche Mafia kann es nicht geben, ja klar, HIER doch nicht, nicht in unserem - einst - sauberen (West-)deutschland, trotz Mauerfall und hunderttausenden von Stasi-Kriminellen im ganzen Land).

    Die größte Waffe dieser Wirtschaftsmafia ist die, dass sie so vorgeht, dass man es ihr jeweils nicht nachweisen kann und die Mittäter kaum je erwischt.

    Und wenn, dann müssen die es eben auf die eigene Kappe nehmen - wie wohl auch der 44jährige Laserschütze in Esslingen (siehe unseren letzten Blogeintrag) mit seiner Inszenierung "Hab nur meinem Kind gezeigt, wie man mit dem aus China mitgebrachten Laser Piloten blendet..."

    So kennen wir die Täter von organisiertem Stalking.

    Und da wir nicht an mehrere parallele Riesennetzwerke organisierter Täter glauben, die alle nebeneinander ungestört in Deutschland bestehen, sondern nur an ein miteinander vernetztes Mafia-Gebilde mit vielen "Spezialisierungen" und vielen tausend Mitarbeitern, die je nach Bedarf eingesetzt werden, was unsere Recherchen immer mehr zeigen, sind wir überzeugt, dass hinter den meisten dieser neuen Merkwürdigkeiten hierzulande dieselben Täter stecken.

    Was der deutschen Öffentlichkeit solange wie nur irgend möglich vorenthalten werden soll. Denn dann wird's peinlich, und dann werden auch im Bundestag und sonstwo in hohen Posten Köpfe rollen (einige darunter in der Linkspartei und der SPD). Und die wollen ihren guten Ruf und ihre guten Diäten so lange wie nur irgend möglich behalten, klar doch. Nach ihnen die Sintflut, aber bitte nicht vorher!

    Hier der Artikel der Süddeutschen Zeitung:

    *********

    Nachrichten auf Sueddeutsche.de

    BAYERN Würzburg - Schüsse auf der A3 bei Würzburg
    12.11.2009, 21:47
    Von Olaf Przybilla

    Seit Monaten schon feuern Unbekannte auf Sattelschlepper, bisher war wie durch ein Wunder noch niemand verletzt worden. Doch nun wurde offenbar zum ersten Mal eine Autofahrerin getroffen.

    Schüsse auf der A3: Die Polizei sperrte die Autobahn, um Spuren zu sichern. (Foto: dpa)

    Die Autofahrerin aus Sachsen hatte gerade die Brücke über das Würzburger Tal passiert, als die Seitenscheibe ihres Wagens zu Bruch ging, scheinbar ohne Grund. Kurz vor der Autobahnraststätte Würzburg-Süd prallte ihr Auto in die Leitplanken.

    Die Frau verletzte sich schwer an Kopf und Hals. Während einer Operation machten Klinikärzte in der Nacht zum Mittwoch eine Entdeckung, die seither nicht nur die Würzburger Polizei in Alarmbereitschaft versetzt. Im Hals der 40-Jährigen aus der Nähe von Bautzen fanden die Ärzte ein stark deformiertes Projektil, offenbar das Fragment einer Kugel.

    Die Attacke auf die Frau könnte im Zusammenhang mit einer Anschlagsserie stehen, die seit Juli 2008 andauert und die längst das Bundeskriminalamt beschäftigt. Bis zum Dienstagabend war wie durch ein Wunder noch niemand verletzt worden.

    Die Serie von Anschlägen richtet sich gegen Sattelschlepper, die Neuwagen über Autobahnen transportieren. Bislang zählt das Bundeskriminalamt mehr als 240 solcher Angriffe. Die Angaben schwanken, denn momentan scheinen die Ermittler kaum mehr mit dem Zählen nachzukommen.

    Kugel stammte ebenfalls aus Kleinkaliberwaffe
    Auch das Landeskriminalamt (LKA) hatte am Mittwochabend eingeräumt, dass der Würzburger Anschlag vom Dienstag bis dato noch gar nicht in die Serie eingeordnet worden war. Bis zum Mittwoch hatte das Münchner Amt allein in Bayern 40 Anschläge auf Autotransporter registriert.

    Da auf der A 3 in Höhe des Würzburger Stadtteils Heuchelhof kein Transporter getroffen wurde, sondern die Frau, sei diese Tat "nicht in die Serie eingeordnet" worden, erklärte ein LKA-Sprecher. Am Donnerstag erhärteten sich dann die Hinweise, dass es sich bei dem Projektil um eine Kugel aus einer Kleinkaliberwaffe handelt - mit einer Waffe dieser Gattung waren zuvor sämtliche Anschläge auf deutschen Autobahnen verübt worden.

    Dass die Autofahrerin gegen 18.10 Uhr - also nach Einbruch der Dunkelheit - von einem Querschläger getroffen worden sein könnte, sei damit "nicht mehr auszuschließen", erklärt ein Polizeisprecher.

    Zumal in der Zwischenzeit immer mehr Meldungen über beschädigte Fahrzeuge eingehen. Der Fahrer eines Autotransporters, der am Dienstag die Unglücksstelle am Würzburger Heuchelhof passiert hatte, stellte ein Loch mit sechs Millimetern Durchmesser in der Verkleidung seines Aufliegers fest. Der Lenker eines Schleppers, der an dem Tag ebenfalls die Autobahn bei Würzburg befahren hatte, meldete sich aus der Oberpfalz. Auch in einem seiner Wagen finde sich ein Einschuss, sagte er. Ein dritter Lkw-Fahrer bemerkte im Kotflügel eines von ihm transportierten Autos ein Loch. Auch er hatte, aus Hessen kommend, die A 3 bei Würzburg passiert.

    Dem Bundeskriminalamt haben bislang betroffene Fahrer die Anschläge unterschiedlich geschildert: Manche hörten einen kleinen Knall und dachten, ein Stein sei gegen die Karosserie geflogen. Die meisten aber hörten nichts, merkten gar nicht, dass auf sie gefeuert wurde. Erst später, meistens beim Abladen, fanden sie die Einschusslöcher. Der Schaden an den Autos beläuft sich meist auf 1500 bis 3000 Euro. In elf Bundesländern wurden bislang solche Einschüsse gemeldet. Das am häufigsten betroffene Gebiet liegt an der A 6 und A 61, zwischen Bayern und Nordrhein-Westfalen.

    Vielleicht schoss dort ein Täter, vielleicht waren es mehrere. Manchmal traf es die Fahrertür, manchmal die Frontscheibe, stets aber waren Neuwagen das Ziel. Von wo aus geschossen wurde, war bisher nicht festzustellen. Bei den Routen der Laster kommt als Tatort nicht selten ein Bereich von mehreren tausend Kilometern in Frage.

    Im Würzburger Fall könnte das nun anders sein. Durch den Unfall der Fahrerin scheint der Tatort diesmal relativ klar lokalisierbar zu sein. Die Autobahn in Richtung Frankfurt wurde am Donnerstag an der Stelle für 45 Minuten gesperrt. Gefundene Spuren werden nun ausgewertet.

    Waren es militante Umweltschützer?
    Was den Täter oder die Täter antreibt, darüber können die Ermittler nur spekulieren. Die Schüsse könnten von militanten Umweltschützern stammen. Als wahrscheinlicher aber gilt die These, dass da Täter ein virtuelles Ballerspiel in die Realität übertragen wollen. Ob sämtliche Schüsse aus derselben Waffe stammen, ist unklar. Sicher ist nur, dass sie alle aus Kleinkaliberwaffen stammen - die sich jeder Sportschütze besorgen kann.

    Lange hatten diese Schüsse nur Sachschaden angerichtet. Die Frau scheint nun das erste Opfer geworden zu sein. Sie konnte mittlerweile vernommen werden. Woher die Kugel gekommen ist, kann sie nicht sagen. Die Frau hatte den Schuss gar nicht wahrgenommen.

    (SZ vom 13. November 2009/dmo)

    Und dazu 2 Kommentare von Lesern:

    ... denn die würden sich eher die Sattelschlepper selbst, alte Dreckschleudern etc. "zur Brust" nehmen - wahrscheinlich auf andere Art und Weise, weil Umweltschützer i.d.R. sich dadurch auszeichnen, dass sie Leben und Natur achten und deshalb nicht gefährden wollen.
    Welchen Sinn hätte es außerdem, Neuwagen - oft mit Katalysatoren und Partikelfiltern ausgestattet - zu beschädigen und in der Folge zusätzliche Transporte, zusätzliche verbrauchte Ressourcen, zusätzlichen Abfall zu produzieren?
    Das wäre kontraproduktiv und sinnfrei. Wenn überhaupt, dann müsste die Polizei präzisieren: "bemerkenswert dumme, militante Umweltschützer" wäre dann wohl die korrekte Bezeichnung.
    Die zweite These könnte ich mich auch eher vorstellen. Vielleicht sind es auch Zielübungen bei bewegten Zielen. Jedenfalls wird dahinter eine ziemlich kranke Sache stecken.

    13.11.2009 10:09:30
    Rhinelander: Virtuelles Ballerspiel in die Realität übertragen?
    1. Super These
    2. Logische These - denn wenn man es nicht in die Realität übertruge gäbe es keine realen Einschüsse und wenn man es virtuell liesse, dann passiert nix.
    3. Wie heisst das virtuelle Ballerspiel? Truck-Killer? Neuwagen-Destroyer? Autobahnsniper? Schussfahrt auf der A3?
    4. Warum geht es hier nicht um ein reales Ballerspiel?

    Copyright © sueddeutsche.de GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH

  • Erneuter Laserangriff - aus Versehen auch auf Polizeihubschrauber//19.11.2009

    Über Laserangriffe auf deutschen Flughäfen (vor allem Hamburg, Stuttgart, Saarbrücken), bei denen Piloten beim Landen geblendet werden (sollen), haben wir bereits vor ein paar Wochen berichtet. Meist werden die Täter nicht ausfindig gemacht, da sie Laserpointer benutzen, die über Hunderte von Metern funktionieren. Es handelt sich nicht um kleine Billiggeräte, sondern um stärkere und teurere Laserpointer.

    Eine Täterin war eine 15jährige. Nur wie kam das Mädel an das teure Lasergerät, wie konnte sie es so gezielt von sich aus bedienen, und warum sollte sie nur aus pervider Gaudi heraus den Tod von mehreren hundert Flugpassagieren riskieren?

    Nun gab es auf dem Stuttgarter Flughafen am 6.11.09 einen erneuten Laserangriff, der ganz gezielt auf zwei Maschinen - und dann wohl weniger gezielt auf den gerufenen Polizeihubschrauber - stattfand (siehe SWR-Bericht unten).

    Diesmal war es ein 44jähriger Mann, der "seinem Sohn zeigen wollte, wie man mit dem Lasergerät aus China auf Flugzeuge zielt".

    Hä?!

    Merkwürdiger Vater, der seinem Kind zeigt, wie man Piloten blendet... Was wäre gewesen, wenn einer der Flieger tatsächlich abgestürzt wäre? Wie hätte er seinem Kind das erklärt? Oder wollte er seinen Sohn zu einem Massenmörder ausbilden, sozusagen zu einem Lasersniper?

    Und weshalb wurde schon wieder ausgerechnet der Stuttgarter Flughafen von diesen "armen Irren, die mit Laserpointer herumspielen" angepeilt?

    Irgendwie scheint uns das Ganze nicht so einfach zu erklären zu sein. Sondern es sieht eher nach einer abgesprochenen Sache aus, die immer häufiger und ganz gezielt an bestimmten Flughäfen ausgeführt wird. Fragt sich nur, aus welchen wahren Gründen? Wem schaden diese Laserblendversuche? Den Piloten. Den Fluggesellschaften. Aber am meisten den Flughäfen, die dafür ausgesucht werden, denn je mehr Meldungen die Medien über diese Laserattacken bringen, umso verunsicherter werden die Flugpassagiere werden.

    Und auf andere Flughäfen ausweichen, die NICHT von Laserpointern angegriffen werden, nicht wahr? Wo die Landung noch so sicher wie bisher bleibt.
    Dies sind dann Flughäfen, die - ganz zufällig - von diesen Laserattacken profitieren.

    Was steckt wirklich hinter diesen gehäuften und gezielten Angriffen auf deutsche Flughäfen?

    Immer mehr Mitbürger, die "aus Spaß" den Tod von anderen riskieren, ohne sich auch nur einen Gedanken über die Folgen zu machen?
    Oder eine Wirtschaftsmafia, die der Journalist Jürgen Roth längst nachgewiesen hat, die sich in den letzten 20 Jahren - seit dem Mauerfall und Ende des Kalten Krieges mit seinen Grenzöffnungen nach Osten - in Deutschland etabliert hat? Denn dann wäre auch dieser neueste merkwürdige Vorfall logisch erklärbar. Der Mann ist Mittäter, er hat im Auftrag gehandelt, er wurde (gut) dafür bezahlt - und sein Sohn diente als Vorwand, für den Fall, dass der Mann tatsächlich von der Polizei geortet werden würde. Für eben diesen Fall sollte er dann genau diese lahme Erklärung "Laserpointer aus China mitgebracht, wollte nur meinem Sohn zeigen, wie's geht..." liefern.

    Und genau das hat er getan.

    Hier der SWR-Online-Bericht:

    ******
    Nachrichten Baden-Württemberg
    SWR.de Extra
    TV-Nachrichten
    Sendung vom 18.11.2009
    Baden-Württemberg aktuell,
    6.11.2009 | 13:43 min | Flash, WindowsMedia

    Radionachrichten

    Esslingen: Piloten mit Laserstrahl geblendet

    Weil er mehrere Piloten am Stuttgarter Flughafen mit einem Laserpointer geblendet haben soll, erwartet einen 44 Jahre alter Mann aus Esslingen nun ein Verfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

    Der Mann soll am Mittwochabend auf zwei Linienmaschinen und einen Polizeihubschrauber mit einem grünen Laserpointer gezielt haben. Zunächst hatte die Besatzung einer Linienmaschine aus Frankfurt gegen 18.15 Uhr eine Laserattacke auf ihr Cockpit gemeldet. Die Piloten befanden sich zu dieser Zeit im Landeanflug auf den Stuttgarter Flughafen. Etwa zehn Minuten später erhielt der Tower am Stuttgarter Flughafen dieselbe Mitteilung einer aus Rom kommenden Linienmaschine. Die beiden Piloten waren im Landeanflug mehrere Male von dem Laserstrahl getroffen und geblendet worden.

    Das Polizeirevier Esslingen löste eine Fahndung aus, an der insgesamt zehn Streifen sowie ein Polizeihubschrauber beteiligt waren. Während der Fahndung wurde auch der Pilot des Polizeihubschraubers von einem Laserstrahl getroffen. So konnte er den Tatort lokalisieren.

    Mit zehnjährigem Sohn Flugzeuge geblendet

    Kurz darauf umstellten Beamte das betroffene Wohnhaus in Esslingen und stellten dort den 44-Jährigen zur Rede. Der Schweizer gab an, dass er aus China einen Laserpointer mitgebracht und zusammen mit seinem zehnjährigen Sohn vom Balkon aus die in Richtung Stuttgart anfliegenden Maschinen gezielt habe.

    © SWR

  • Der Einfluss der Stasi auf Rundfunk in Ost und West//19.11.2009

    BuchneuerscheinungAutoren liefern mit Studie zur SED-Medienpolitik eine wichtige Diskussionsgrundlage
    Von Hans-Joachim Föller

    Wie groß war der Einfluss, den die Stasi auf den Rundfunk in der DDR und der Bundesrepublik Deutschland hatte? Diese Frage untersuchten Wissenschaftler des Forschungsverbundes SED-Staat der FU Berlin im Auftrag der ARD. Nun liegen die Ergebnisse als Buch vor.
    Zwar hatte die SED in der DDR die Zügel der Informationspolitik fest in der Hand. Doch ein wirkliches Informationsmonopol ergab sich daraus nicht. Denn in fast alle Bezirke funkte der westdeutsche Klassenfeind: mit paralysierender Wirkung für den SED-Staat. Die Realsozialisten setzten deshalb alles daran, diese Quelle der Destabilisierung unter ihre Kontrolle zu bekommen.

    Zu diesem Zweck sammelte das MfS mit Hilfe von inoffiziellen Mitarbeitern (IM) Informationen in westdeutschen Sendern. Trotz dieser Bemühungen - und das ist eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie - ist es dem MfS nicht gelungen, Entscheidungen auf der ARD-Leitungsebene oder in einem der dazugehörenden Sender zu manipulieren. Zudem war der Einsatz inoffizieller Mitarbeiter geringer als zunächst vermutet. Einfluss übten die Parteigänger der SED gleichwohl aus, insbesondere in den realsozialistische Zustände oft verharmlosenden Zeiten der Entspannungspolitik. So schilderte die ehemalige Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks und heutige Bundestagsabgeordnete der Partei "Die Linke", Luc Jochimsen, die DDR in einem Film als wahres Frauenparadies. Die Interviewpartner waren - ohne Wissen der Journalistin - von SED und Stasi hinsichtlich ihrer ideologischen Zuverlässigkeit ausgesucht.

    Nach wie vor brisant ist ein Fall aus dem ZDF: Dietmar Schumann, der als DDR-Journalist in der Sowjetunion, Ungarn und sogar in Österreich unterwegs war. Unter dem Decknamen "Basket" führte die Hauptverwaltung Aufklärung des MfS den Moskauer Korrespondenten. Der soll über Gespräche mit dem ZDF-Kollegen Dirk Sager berichtet haben, außerdem über die Politiker Hans-Jochen Vogel und Richard von Weizsäcker. Insgesamt gehen 37 Informationen auf "Basket" zurück. Schumann bestritt inzwischen, wissentlich für das MfS tätig gewesen zu sein.

    Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Untersuchung der Überwachung der elektronischen Medien in der DDR, die offenkundig besonders eng gestrickt war. Danach hat es sowohl durch das Leitungspersonal als auch in den Redaktionen selbst eine offizielle als auch inoffizielle Zusammenarbeit mit der zuständigen Abteilung des MfS gegeben. Nach Einschätzung der Autoren wirkt dieses Erbe fort. Die Lösung aus jahrzehntelanger MfS-Verstrickung und Parteizugehörigkeit habe sich für die Sendeanstalten der neuen Bundesländer als "ein schwieriger, langwieriger und oft schmerzhafter Prozess" erwiesen.

    Abgeschlossen ist er nicht. Eine wichtige Diskussionsgrundlage bildet diese Studie, mit der die Verfasser einen sehr verdienstvollen Beitrag zur Erhellung der SED-Medienpolitik im Rundfunk geliefert haben.

    Jochen Staadt, Tobias Voigt, Stefan Wolle: Operation Fernsehen - Die Stasi und die Medien in Ost und West, Vandenhoeck & Ruprecht Verlag; Göttingen 2008; 447 Seiten; 29,90 Euro.

    http://www.stz-online.de/nachrichten/thueringen/seite2thueringenstz/art2478,1023297

  • Niedergeknüppelt und in die Psychiatrie weggesperrt//17.11.2009

    Dieser kurze Bericht ist ein weiterer eindeutiger Nachweis darüber, dass die DDR nicht nur ein Unrechtstaat, sondern eine ausgewachsene Diktatur war, die mit dem Iran und anderen Diktaturen, über die die deutschen Medien zensurfrei berichten, durchaus mithalten konnte.

    Von einem Zeitzeugen und Stasiopfer wissen wir auch, dass nach den Montagsdemos in Leipzig 1989 ein berüchtigtes psychiatrisches Krankenhaus regelmäßig überbelegt war. Die Polizei der DDR griff im Auftrag der Stasi die Demonstranten massenweise auf der Straße auf und steckte sie in der Psychiatrie weg. Dort erhielten sie Spritzen, Elektroschocks und andere "Mittel gegen die Kritikfähigkeit".

    Wer da noch behauptet, die DDR sei "kein Unrechtstaat"gewesen - wie Gesine Schwan der Linken es zum Beispiel tut -, der hat keinen Rechtsstaat und auch keine Demokratie verdient...

    ********
    Wie die Stasi die Lage sah

    Erstellt 06.10.09, 23:12h

    In der Darstellung von Hans Modrow erscheint Gewalt von Sicherheitskräften lediglich als Reaktion auf Gewalt von Demonstranten. Dass dies nicht so war, belegen Dokumente und Zeugenaussagen aus dem Herbst 1989, als Stasi und Polizei oft auch auf friedlich Protestierende einprügelten. Berichte der Stasi zeigen zudem, dass auch "progressive Kräfte", wie das Regime absolut linientreue Bürger zu nennen pflegte, dieses Vorgehen zunehmend kritisierten.

    Der Einsatz von Gewalt war von ganz oben verlangt. Staatschef Erich Honecker forderte im September und Oktober mehrfach, auch gegen Widerstand im Politbüro, die Proteste "im Keim zu ersticken" . Die Sicherheitskräfte sollten "alle Maßnahmen vorsehen, um geplante Demonstrationen im Entstehen zu verhindern", heißt es im letzten Befehl, den Honecker am 13. Oktober als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates gab.

    Die Stasi wie auch die Staatsführung verkannten zu der Zeit wie schon in den Monaten zuvor, dass die Protestbewegung längst weit über den Status eines "Keims" hinaus gediehen war. Obwohl die Behörden im Sommer bereits 160 oppositionellen Gruppierungen zählen, wird deren Kraft lange unterschätzt. Warum, wird aus Dokumenten über Besprechungen mit Stasi-Chef Erich Mielke deutlich. Am 31. August etwa berichteten sämtliche Generäle ihrem obersten Chef wider besseres Wissen, in ihren Bezirken sei die Lage "stabil" oder "sehr stabil" , alles sei trotz schlechter Stimmung in der Bevölkerung "unter Kontrolle". (gro)

    http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1246895327123.shtml

  • Ihm gelang die Flucht aus der DDR//16.11.2009

    Hartmut Richter kam 1966 nach Westdeutschland und half Freunden und Bekannten, es ihm gleich zu tun

    Hartmut Richter wollte sich dem DDR-Regime nicht beugen. In einem eindrucksvollen Vortrag berichtete er Schülern von seinem Traum von Freiheit und wie er ihn realisierte.

    Rüsselsheim. «Nur 18 der 33 von mir aus der DDR herausgeschmuggelten Menschen haben sie entdeckt», berichtete der 1948 geborene ehemalige DDR-Häftling Hartmut Richter den Gustav-Heinemann-Schülern.

    Er schilderte den Mädchen und Jungen von seiner Jugend in der DDR, wie er republikflüchtig wurde und Verwandten den Weg in den Westen ebnete.

    25 Schüler der Gustav-Heinemann-Schule und ihre Lehrer Jörg Boländer und Frank Riedel nahmen an der Veranstaltung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung zum Thema «Feind war, wer anders dachte - Das Ministerium für Staatssicherheit als tragende Säule der SED-Diktatur» in ihrer Schule teil.

    Schicksal verfilmt

    In Gruppen erarbeiteten sich die jungen Leute zunächst die Grundlagen zum Verständnis der Überwachungsmechanismen durch die Stasi in der DDR. Als der Zeitzeuge Hartmut Richter, dessen Schicksal in der Dokumentation «Zersetzung der Seele» von Nina Toussaint und Massimo Ianetta 2002 verfilmt wurde, aus seiner Jugend in der DDR berichtete, war das Interesse, die Verwunderung und Betroffenheit bei den Zuhörern groß.

    Als Jugendlicher träumte Hartmut Richter davon, frei zu sein und in den Westen reisen zu können. Ein erster Fluchtversuch des damals 18-Jährigen über die Tschechoslowakei nach Österreich, scheiterte aufgrund seiner Unerfahrenheit - wie Richter erzählte. Sein Fluchtversuch brachte ihm im Mai 1966 zehn Monate Haft auf Bewährung ein. «Dieses milde Urteil war nur möglich, weil ich alle meine Prinzipien, aufrichtig meine Meinung zu vertreten, über den Haufen warf und in einem Brief an meine Eltern, den ich im Untersuchungsgefängnis in Potsdam schrieb, Reue vortäuschte. Die Stasi hatte den Brief abgefangen und gelesen. Das hatte ich einkalkuliert.»

    Durch den Teltow-Kanal

    Nach seiner Entlassung unternahm Hartmut Richter im August 1966 einen tollkühnen zweiten Versuch, aus der DDR zu fliehen. Eindrucksvoll schildert Richter, wie er den Teltow-Kanal nach Westberlin im Schatten der Dunkelheit der Nacht durchschwamm. «Als ich morgens um halb vier im amerikanischen Sektor von Berlin auf Westdeutsche aus Frankfurt am Main traf und mich diese als DDR-Flüchtling erkannten, wurde ich ohnmächtig vor Erschöpfung und Freude.»

    Nach einer Amnestie für sogenannte Republikflüchtige begann Hartmut Richter Anfang der 1970er Jahre Freunde und Verwandte aus der DDR herauszuholen. Das Transitabkommen zwischen den beiden deutschen Staaten aus dem Jahr 1971 sah vor, dass Fahrzeuge auf dem Weg zwischen Westberlin und Westdeutschland nur noch bei begründetem Verdacht kontrolliert werden durften. «Im Kofferraum meines Autos habe ich im Laufe der Zeit 33 Menschen den Weg in den Westen geebnet.

    Ich wusste, dass ich Parkplätze auf der Transitstrecke unbedingt meiden musste», erzählt er. Denn dort lauerten die Mitarbeiter der Volkspolizei und der Staatssicherheit. «1975, meine Schwester lag bei einer der Fahrten auf der Transitstrecke im Kofferraum, haben sie mich geschnappt.» Hartmut Richter erzählte von seiner Verhaftung, von seiner Zeit in der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Schönhausen, von seiner Verurteilung wegen «staatsfeindlichen Menschenhandels» zur Höchststrafe von 15 Jahren Haft in den Strafvollzuganstalten Berlin-Rummelsburg und Bautzen II. Im Oktober 1980 wurde Richter dann von der Bundesregierung freigekauft. fnp fnp

    http://www.fnp.de/sdp/region/lokales/rmn01.c.6799905.de.htm

  • Hubertus Knabe erhält das Bundesverdienstkreuz//14.11.2009

    Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, wird mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Damit werde Knabes Engagement «für Freiheit und Demokratie und für die Aufarbeitung des SED-Unrechts» gewürdigt, teilte ein Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung am Freitag mit. In der Begründung des Bundespräsidenten Horst Köhler wird Knabe der Stiftung zufolge als «einer der konsequentesten Vertreter der Interessen der Opfer der SED-Diktatur» gewürdigt.

    Knabe bezeichnete die Auszeichnung als eine Würdigung der Arbeit der Gedenkstätte. «Es gibt wenige Einrichtungen in Deutschland, die in den letzten Jahren so viel für die Aufklärung über das SED-Unrecht geleistet haben wie die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen», sagte Knabe. Bundespräsident Köhler überreicht dem Historiker das Verdienstkreuz am Montag (16. November) bei einer feierlichen Veranstaltung im Schloss Bellevue.

    na/ddp

    http://www.news-adhoc.com/hubertus-knabe-erhaelt-das-bundesverdienstkreuz-idna2009111364755/

  • Westpakete - eine Vorweihnachtsgeschichte//12.11.2009

    Hier eine Geschichte aus der Süddeutschen, die zeigt, wie es sich anfühlte, im sozialistischen Paradies Ostdeutschland zu leben.

    Und sie zeigt, dass die Stasi und die DDR-Behörden im Auftrag des Regimes wie die Raben klauten und die Päckchen von West nach Ost plünderten. Die begehrte Westware wurde dann in den Intershop-Läden teuer verkauft - aber zu denen hatten nur höhere SED-Parteimitglieder und Stasi-Spitzel Zutritt.

    Achtung: Diese Leute leben und arbeiten heute überall in Deutschland, in guten Posten, mit guten Gehältern oder guten "Ehrenrenten" und Renten für ihre Spitzelverdienste in der früheren DDR.

    Es erinnert (zu) deutlich an "Die Farm der Tiere": Alle Tiere sind gleich. Nur die Schweine sind gleicher...

    **********
    Ein Paket, ein Paket! - DDR: Westpakete zu Weihnachten

    Von Renate Meinhof

    Giftiger Glanz in der schmuddelig-schönen Welt: Warum das Westpaket in die DDR auch etwas Subversives hatte - eine Erinnerung.

    Wenn vom Meer her Nebel aufzogen, und die Kälte des späten Herbstes die Insel in den Griff nahm, kam manchmal "der Däne" durch. Dann raunten wir uns in der Schule zu: Schongemerktderdänekommtdurch? Bis zu uns, ganz in den nördlichen Osten, nach Rügen, reichte sonst kein Westfernsehen. Wenn aber "der Däne" durchkam, saßen wir abends vor dem tonlosen Gegrissel, das vorgab, "der Däne" zu sein, und das genauso "der Schwede" oder "der Pole" hätte sein können, so wenig war zu erkennen.

    Und doch hielt man sich festen Schatten und Schemen dieser Welt, von der man nur eine Ahnung hatte. Die Ahnung nährte sich aus verschnürten und oft vom Zoll schon gefledderten Kartons, die per Post ins Haus kamen. Darauf stand geschrieben: Geschenksendung, keine Handelsware.

    Was man bekam
    Manchmal, in wachen Nächten, gehe ich durch die Kaufhalle meiner Kindheit. Drei Gänge. Hinten rechts der Brotstand. "Ein Dreiundneunziger bitte", sagte man, und bekam ein Dreiundneunziger. Das hieß so, weil es 93 Pfennig kostete. Daneben der Fleischstand, an dem man nahm, was man bekam. Daneben wieder gab es Käse und Quark, der löffelweise aus einer Plasteschüssel auf zwei Schichten Packpapier klatschte, und den man sich beeilen musste, nach Hause zu bringen, weil das Papier so schnell durchweichte, dass es vom Quark dann nicht mehr zu trennen war. Wer trödelte, hatte später Schlusen im Mund. Vorn, bei den Kassen, standen drei große, mit Rollen versehene Drahtkörbe, worin Weißkohl, Rotkohl und Kartoffeln lagen.

    Im Sommer aß man, was der Garten hergab, im Winter, was der Garten hergegeben hatte: also Eingekochtes und Eingekellertes. Spätestens im Januar aber hatten sich die blutleeren Keimlinge der Kartoffeln im Keller derart zu Gestrüpp verfilzt, dass man lange brauchte, die schrumpeligen Dinger im Dunkel zu ertasten, um sie, ein zweites Mal, zu ernten.

    Es war dies eine schmuddelige, aber schöne und klare Welt. Im Grunde war es, vom "Dänen" abgesehen, das Westpaket, das sie durcheinanderbrachte. Es war wie ein Gift mit seinem Duft und dem Glanz, der überlegen daherkam. Mit der Perfektion der Verpackungen kam es, mit Farbe. Das Westpaket war die rauschhafte Intervention in einem Alltag, den der Sozialismus regelte, und zu Weihnachten war der Rausch, wegen der Fülle der Pakete, die in unser Pfarrhaus kam, noch intensiver als sonst im Jahr.

    Die SED-Führung wusste, dass das Land angewiesen war auf die Sendungen aus dem Westen. Deshalb ließ sie sie zu, flankierte den Verkehr aber mit unzähligen Vorschriften, die auf Druck des Westens erst nach und nach gelockert wurden.

    Das Westpaket wurde stillschweigend zu einer festen Plangröße.

    Das DDR-Versorgungssystem hatte aber so viele Löcher, dass die Gaben von Verwandten und Freunden nur manche stopfen konnten. Von Wissenschaftlern ist das alles aufgearbeitet worden. So weiß man, dass der Gesamtwert der privaten Sendungen aus dem Westen sich zum Beispiel im Jahr 1988 auf 4,3 Prozent des Einzelhandelsumsatzes belief.

    Statistiken, wie sie in dem von Christian Härtel und Petra Kabus herausgegebenen Band "Das Westpaket" zu finden sind, zeigen auch, dass bei bestimmten Produkten ein Vielfaches der Menge, die laut Plan im eigenen Land produziert wurde, per Paket aus dem Westen kam. Extrem hoch sind, wieder im Jahr 1988, die Zahlen bei Kakao, Damenblusen und Strümpfen.

    Wenn man von diesen im Auftrag der SED erhobenen Zahlen auch gar nichts ahnte, im Haushalt meiner Eltern waren die Pakete aus dem Westen tatsächlich eine feste Plangröße. Sie kamen von überall, manchmal von Menschen, die wir persönlich gar nicht kannten. Mein Vater pflegte viele Kontakte das ganze Jahr über mit Briefen, deren Tonlage keineswegs ins Devote kippte, die aber doch den Bedürfnissen der Familie Nachdruck verlieh. Im Ergebnis reichte der Kaffee, den wir Weihnachten auspackten, mindestens bis zum September des folgenden Jahres. Die Schokolade auch, was daran lag, dass mein Vater sie verwaltete und nach jedem Mittagessen jedem Kind nur ein Stück zuteilte.

    Schlimm war es, wenn etwas Verdorbenes ankam, ganz schlimm: Apfelsinen. Blieb einem nichts übrig als zu vermuten, dass die Sendung von den "Zollorganen" bewusst zurückgehalten worden war, damit wir die Orangen aus Kuba kaufen sollten. Sie lagen wie Ladenhüter in der Kaufhalle. Kuba-Orangen waren außen grün, und ihr Inneres blieb, so lange man es auch kaute, unzermalmbar. Nachdem ein Freund erzählt hatte, sein Vater, der Chirurg war, habe schon Kinder mit Darmverschluss operiert, weil sie Kuba-Orangen hinuntergewürgt hätten, wurde bei uns die Kuba-Orange als Orange gar nicht mehr ernst genommen.

    Paradies mit Lackgürtel
    Am schönsten war es, wenn wir von Verwandten aufgefordert wurden, uns etwas zu wünschen. Aufgrund der rauschhaften Erfahrung beim jährlichen Auspacken waren unsere Wünsche recht detailliert. Denn man stellte sich den Westen vor wie das Paradies. Man geht in ein Geschäft. Man sagt zu einer Verkäuferin nicht: Haben Sie vielleicht oder wann kriegen Sie mal wieder? Man sagt: Mir schwebt, als Beispiel nur, eine Hose vor, deren eines Bein rot-grün kariert, deren anderes aber blau-weiß gepunktet ist, dazu ein schwarzer Lackledergürtel.

    Die Verkäuferin eilt los, bitte gerne, bringt nach kurzer Zeit genau die gewünschte Hose. So muss der Westen sein. Im Grunde verklärten wir als Kinder und Jugendliche den Westen nicht nur zum Paradies, wir überhöhten auch die Menschen, die dort leben durften. Der Westdeutsche bekleckerte sich nicht mit auslaufenden Milchflaschen. Er musste nicht mit durchsuppenden Quarkbatzen nach Hause rennen. Er musste nicht anstehen und roch auch besser. Er hatte Westgeld, konnte reisen und fuhr die besseren Autos. All das machte den Westdeutschen zum besseren Menschen.

    Dieser Werteordnung konnten auch kleine Ausrutscher nichts anhaben. Tante K. zum Beispiel schrieb immer Mitte Oktober schon, dass die Kaltmiete wieder gestiegen sei. Auch wenn der Begriff uns nicht geläufig war, fühlten wir uns gerüstet für den Inhalt ihres Paketes. Tante K. schickte Graupen und Mehl und Nylonstrumpfhosen, denen ihre eigenen Beine und ihr Gesäß schon die rundliche Form aufgezwungen hatten. Sie schickte angebrauchte Seifenstücke, denen die Flüchtigkeit ihres hektischen Greifens noch anhaftete. Man sah es daran, dass Seife und Zellophantüte aneinander klebten, woraus ich schloss, dass Tante K. die Seife eben noch benutzt und dann in nassem Zustand in die Tüte hatte rutschen lassen. Ich sah das und hörte sie über viele hundert Kilometer zu sich selbst murmeln: Ach, macht nichts, für die Sowjetzone reicht's wohl noch.

    Das schlechte Gewissen

    Das aber war wirklich die Ausnahme. Den meisten Paketen sah man die Mühe an, die Liebe, vielleicht auch ein schlechtes Gewissen, weil die Packenden bei Kriegsende oder Mauerbau zufällig auf der richtigen Seite gewesen waren, und nicht im Osten, wo die Russen gesiegt hatten und: blieben. Die meisten Pakete waren eine Verausgabung. Das nun wieder beschämte den Ostdeutschen. Was hatten wir schon zu bieten, was mit dem Reichtum, der zu Weihnachten in unser Wohnzimmer kam, zu vergleichen gewesen wäre? Schallplatten mit Bach-Kantaten, Thomanerchor und Peter Schreier? Dresdner Christstollen?

    Doch vieles von dem, was für uns gedacht war, erreichte uns gar nicht. Erst nach dem Fall der Mauer erfuhr man, dass die ominöse "Stelle 12" der Staatssicherheit für die Fledderungen der Westpakete zuständig gewesen war. Dass die Leute von "Stelle 12" Geld stahlen, und Schmuck und Tonbandkassetten, die dann benutzt wurden, um Abgehörtes aufzuzeichnen. Die "Stelle 12" war in allen Postämtern der DDR-Bezirksstädte präsent.

    Ihre Leute müssen es auch gewesen sein, die ein Paket von Tante Rosemarie aus Düsseldorf "dem Regellauf entzogen", wie es im Jargon hieß, es "behandelten" und dann dem "Regellauf wieder zuführten". Nach der Behandlung fehlte: ein Globus. Ein Globus! Warum? War es ein Vorkriegsglobus mit den Grenzen von 1937? Undenkbar. War es ein Nachkriegsglobus, die Grenzlinie zwischen der BRD und der DDR aber zu fein und provisorisch gestrichelt? Könnte sein.

    Wir schrieben eine Eingabe. Keine Antwort. Wir schrieben noch eine Eingabe, keine Antwort. Darüber fiel die Mauer, und der kleine graue Staat versank im Nichts. Zu betrauern ist einzig, dass mit ihm auch die Pakete verschwanden. Jetzt ist überall Westen.

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/886/452589/text/ 24.12.2008

  • Die Verdummung eines vereinten Volkes//11.11.2009

    Gestern wurden die Helden der Einheit in Berlin geehrt und hochgelobt.

    Die vielen Stasi-und-Zersetzungsopfern wurden mit keinem Wort erwähnt.

    Die Kanzlerin schäkerte stattdessen mit ihrem französischen Kollegen, der noch vor kurzem seinen Sohn (einen mittelmäßigen Studenten) in eines der höchsten Staatsämter hochloben wollte. Zum Glück funktioniert in Frankreich noch der Volksprotest - ein Zeichen von Demokratie.

    In Deutschland funktioniert das schon lange nicht mehr. Auch protestiert das Volk hier ja nicht.

    Hierzulande lässt man sich lieber massenweise von der Regierung und ihren Hofberichterstattern verdummen. Und rennt dabei Gefahr, in die nächste Diktatur abzurutschen, ohne es zu merken. Denn die Macher schlafen ja nicht, so wie Gregor Gysi, der gestern mit Glyzerintropfen in den Augen von dem Augenblick erzählte, als er vom Mauerfall erfuhr. Hach, war das ein bewegender Moment, als ihm klargeworden sein muss, dass er seine nebenamtliche Stasi-Karriere von nun an anders aufbauen musste. Dass dieser historische Augenblick aber auch neue Chancen bieten würde...

    ... die er und seine Partei heute voll nutzen.

    Es ist ein Jammer, wie schnell man durch viel Propaganda ein Volk beschwichtigen kann. Mir war das alles zum Kotzen, dieser Betrug, und die ganze Welt ist dabei und bejubelt das.

    Hier ein paar kleine Berichte über die, die es nicht bejubeln konnten:

    **********
    Zentrale Gedenkstätte für Stasi-Opfer gefordert

    Hannover (dpa) - Die Opfer des Kommunismus sollten mehr in den Blickpunkt gerückt werden. Hubertus Knabe, Direktor der Stasi-Opfer- Gedenkstätte Berlin- Hohenschönhausen, hat ein zentrales Denkmal für die Opfer der DDR-Diktatur in der Mitte Berlins gefordert. Das sagte der Historiker in der «Neuen Presse». Die bestehenden Mahnmale seien oft klein und versteckt und würden nur an die Mauertoten erinnern - und nicht an die vielen anderen, deren Leben zerstört wurde.

    http://www.zeit.de/newsticker/2009/11/10/iptc-hfk-20091110-29-22950454xml

    ***********

    Kritik an Rot-Rot bei Kerzen-Demo der Opferverbände

    Die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hat das rot-rote Regierungsbündnis in Brandenburg erneut verurteilt. «Das ist ein schmerzhafter Vorgang», sagte der Vorsitzende Rainer Wagner am Montagabend auf einer sogenannten Kerzen-Demo vor dem ehemaligen Stasi-Gefängnis in der Potsdamer Lindenstraße. Dort hatten sich rund 200 Menschen zusammengefunden.

    Mit dem «Ritterschlag» für die Linken habe der «Bürgerrechtler Platzeck eine unrühmliche Rolle» eingenommen, sagte Wagner, der 1967 in der DDR zu zwei Jahren politischer Haft verurteilt worden war. Wagner erinnerte nicht nur an den Mauerfall vor 20 Jahren, sondern auch an den «Tag von Potsdam» am 21. März 1933. «Damals hat Hindenburg als Reichspräsident Hitler salonfähig gemacht», sagte er. Auch wenn dieser Vergleich nicht «eins zu eins» übertragbar sei, sei es beunruhigend, wenn Platzeck als Ministerpräsident «einstige Träger eines Unrechtsstaates» in die Regierungsverantwortung hole.

    «Ich halte viel von Vergebung», betonte der Pfarrer. Aber dazu bedürfe es eines klaren Schuldeingeständnisses. Es seien nicht nur Landeschef Thomas Nord und die Fraktionsvorsitzende Kerstin Kaiser an der Spitze der märkischen Linkspartei, die als ehemalige Stasi-Mitarbeiter nunmehr wieder im politischen Rampenlicht stünden. «Es gibt viele in der Linkspartei mit einer Stasi-Vergangenheit, weshalb sich eine Regierungsbeteiligung verbietet», sagte er.

    Wagner sprach von einer «unerträglichen Diskrepanz» zwischen einstigen Stasi-Mitarbeitern und deren Opfern. Während die Opfer sich mit komplizierten Rehabilitierungsgesetzen auseinandersetzen müssten und kaum eine Chance auf Entschädigung hätten, fänden sich die Täter «mit Platzecks Segen als Staatsbeamte und Regierungsfunktionäre» wieder.

    http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2577899540.php

  • Buchvorstellung von Dr. Kittan //11.11.2009

    Flyer+Zuchthaus+Cottbus++Publikation+von+Tomas+Kittan

  • Statistik des Schreckens - eine Diktatur in Zahlen//09.11.2009

    Nein, wir werden weder einen rosaroten Schleier-Beitrag wie "der schönste Irrtum der Welt" (ZDF) zum 20. Jahrestag des Mauerfalls bringen noch mit dem Trabbi von Braunschweig nach Berlin fahren (Gottschalk). Wir wollen die Fakten der DDR-Diktatur zeigen. Sie sind weitaus interessanter als jeder Tatortkrimi:

    Statistik des Schreckens: Eine Diktatur in Zahlen

    Wie viele Minen lagen an der Grenze - und wie viele Todesurteile wurden in der DDR vollstreckt? Eine Überblick zu Zahlen und Fakten rund um die SED-Diktatur.

    Zwischen 1,3 und 1,4 Millionen Minen ließ die DDR Regierung an der Grenze verlegen. Insgesamt war die innerdeutsche Grenze 1.378 Kilometer lang (die Berliner Mauer maß 167,8 Kilometer). Die Minen lagen auf einem Teilstück von rund 900 Kilometern.

    55.000 Selbstschussanlagen wurden in der Zeit von 1971 bis 1984 an der Grenze aufgestellt. Michael Gartenschläger, politischer Häftling in der DDR und späterer Fluchthelfer, montierte 1976 zwei Selbstschussanlagen ab und zeigte sie Journalisten. Beim Versuch, eine dritte Selbstschussanlage abzumontieren, wurde der 32-jährige Gartenschläger im gleichen Jahr erschossen.

    Rund 3.000 Hunde waren bis in die 80er Jahre an der Grenze im Einsatz. Sie waren auf Menschen abgerichtet.
    4,9 Millionen Flüchtlinge kamen in der Zeit von 1945 bis 1989 aus dem kommunistischen Machtbereich zwischen Elbe und Oder in den Westen. Allein in der Zeit von 1961 bis 1989 flohen mehr als 1,25 Millionen Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik. Die meisten kamen in den Jahren als die Mauer gebaut wurde und als sie fiel. 236.390 verließen die DDR 1961. 388.396 waren es 1989, in dem Jahr als die Mauer fiel.

    Rund 300.000 Ostdeutsche flohen von 1961 bis 1989 "illegal" in den Westen. Die meisten kehrten von Westbesuchen nicht zurück. Die Stasi zählte 38.063 gescheiterte Fluchtversuche zwischen 1976 und 1988 an der Grenze, also über 3.100 pro Jahr.

    Mehr als 5.500 DDR-Bürger schwammen durch die Ostsee in die Freiheit. 174 ertranken, 4.522 Menschen wurden erwischt und festgenommen. Nur 913 gelang die Flucht übers Wasser (siehe auch Flucht über die Ostsee - der Arzt Peter Döbler schwamm 24 Stunden lang durch die Ostsee von der DDR in die Freiheit). 110 Menschen versuchten, zwischen 1962 und 1973 die DDR auf dem Luftwege (zum Beispiel mit selbst gebauten Ballons) zu verlassen. Die Stasi registrierte in dieser Zeit über 58 Flugzeugentführungen. Viele Menschen versuchten auch, die DDR auf legalem Weg zu verlassen. Allein im Jahr 1980 stellten rund 21.500 Menschen den Antrag die DDR verlassen zu dürfen. 1989 stellten rund 125.000 Menschen einen Ausreiseantrag, bevor im August die Mauer fiel.

    Knapp 3,44 Milliarden Mark zahlte die Bundesrepublik zwischen 1963 und 1990, um 31.755 politische Gefangene und 2.000 Kinder von ausgereister oder geflohener DDR-Bürgern freizukaufen. Offiziell gab es in der DDR keine politischen Häftlinge, weil die DDR-Behörden diesen Begriff vermieden. Die Bundeszentrale für politische Bildung geht davon aus, dass zwischen 1945 und 1990 in der DDR rund 200.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert wurden.

    221 Todesurteile wurden in der DDR verhängt, 164 vollstreckt. In den 50er und 60er Jahren gab es sogar Schauprozesse gegen Mörder, NS-Verbrecher oder Spione, die mitunter sogar auf den Bühnen von Kulturhäusern stattfanden. Bis 1956 wurden die Verurteilten mit Guillotinen geköpft. Ab 1968 wurden die Verurteilten durch den "unerwarteten" Nahschuss in den Hinterkopf getötet, so wie Werner Teske. Der promovierte Volkswirt wurde im Juni 1981 in Leipzig durch einen Genickschuss hingerichtet. Der Stasi-Hauptmann wollte sich in den Westen absetzen. Das Todesurteil gegen Teske war das letzte Todesurteil, das in der DDR vollstreckt wurde. 1987 wurde die Todesstrafe abgeschafft - vor dem ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffen zwischen Honecker und Kohl.

    Mindestens 136 Menschen sind nach derzeitigem Forschungsstand nachweislich allein an der Berliner Mauer erschossen worden, beim Fluchtversuch verunglückt oder nahmen sich nach einem gescheiterten Fluchtversuch das Leben. Hinzu kommen 251 Tote, die Grenzkontrollen in Berlin nicht überlebt haben. Es handelte sich dabei um meist ältere Reisende. Die meisten Todesopfer waren Männer im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Mehr als die Hälfte der 136 Todesopfer kamen in den ersten fünf Jahren nach dem Mauerbau um. Bis Ende 1962 starben allein 34 Menschen an der Mauer.

    Bis zu 6.000 Menschen nahmen sich in der DDR jedes Jahr das Leben. Damit hatte die DDR eine der höchsten Selbstmordraten weltweit. 1977 beschäftigte sich sogar das Politbüro mit der hohen Selbstmordrate. Die Folge: Die Zahlen wurden fortan verheimlicht und nicht einmal mehr Forschern verraten.

    Rund 180.000 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zwischen 1950 und 1989 schätzungsweise. Die Stasi wurde 1950 gegründet. Ab 1957 war Erich Mielke Chef der Behörde, die nicht nur als Inlands- und Auslandsgeheimdienst arbeitete, sondern auch Privatleute bespitzelte. Die Stasi hatte ein eigenes Untersuchungsgefängnis, agierte faktisch im rechtsfreien Raum. Die Stasi schreckte selbst vor Mordanschlägen nicht zurück (Welsch, Wolfgang: Ich war Staatsfeind Nr. 1). Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern verfügte die Stasi über ein Heer von informellen Mitarbeitern. 1989 hatte die Stasi noch etwa 91.000 hauptamtliche und 174.000 informelle Mitarbeiter (IM). Die Birthler-Behörde geht davon aus, dass im Laufe der DDR-Zeit insgesamt mindestens 600.000 Personen, meistens Männer, als "IM" für die Stasi gearbeitet haben.

    Rund 400 Menschen entführte die Stasi aus Westdeutschland in die DDR, wie die Historikerin Susanne Muhle (Die DDR im Blick - ein zeithistorisches Lesebuch) herausgefunden hat. Nach 1990 wurden 20 Entführungsfälle wegen Freiheitsberaubung angeklagt. Die Täter wurden allesamt zu Bewährung verurteilt. Kein einziger Täter musste hinter Gitter.

    2,3 Millionen von rund 16,8 Millionen DDR-Bürgern waren Mitglied in der SED. Nach der Wende verlor die SED innerhalb weniger Wochen ihre Mitglieder. Im Dezember 1989 hatte die SED noch 1,4 Millionen Mitglieder. Im Februar 1990 waren es nur noch 650.000. Bis Mai 1990 sank die Zahl noch mal auf 400.000 Mitglieder.

    112 Kilometer Akten übernahm die Birthler-Behörde aus dem Bestand der Stasi, darunter 1,3 Millionen Fotos und Dias, fast 5.000 Filme und Videos, 164.000 Tonträger und rund 20.000 Disketten und Magnetbänder.

    Mindestens 17.223 ehemalige Stasi-Beschäftigte arbeiten heute in Ostdeutschland noch im Öffentlichen Dienst. Nach einer Umfrage der Deutschen Presseagentur wurden in Sachsen-Anhalt mehr als 4.400 ehemalige Stasi-Mitarbeiter weiter beschäftigt, in Sachsen 4.101, in Brandenburg 2.942, in Berlin 2.733, in Mecklenburg-Vorpommern 2.247 und in Thüringen cirka 800. Selbst im Bundeskriminalamt arbeiten 23 ehemalige Stasi-Leute, und zwar im Personenschutz. Sie waren auch bei der Stasi für den Personenschutz zuständig, wie ein Sprecher des BKA gegenüber stern.de betonte. Darüber hinaus sind nach der Wende hunderte Stasi-Leute Polizisten geworden. Sie tun heute meist in Ostdeutschland ihren Dienst.

    9.548 Gerichtsentscheidungen der DDR-Justiz wurden allein vom Landgericht Berlin nach der Wende aufgehoben. Insgesamt gingen in der Zeit von 1990 bis 2008 21.977 Anträge ein, Rechtsentscheidungen der DDR-Justiz aufzuheben. In 3.583 Fällen wurden die Anträge abgelehnt. 9.548 Anträge wurden zurückgenommen oder an andere Gerichte abgegeben.

    Rund 42.000 Akten über Vorfälle an der innerdeutschen Grenze, Unrechtsurteile in der DDR oder Unrechtshandlungen im DDR-Strafvollzug lagern im Bundesarchiv in Koblenz. Sie stammen aus dem Bestand der Zentralen Beweismittel- und Dokumentationsstelle für DDR-Unrecht in Braunschweig, die im Jahr 2007 ihre Arbeit einstellte.

    Quellen: www.bstu.bund.de

    Und noch eine Zahl: Bisher wurden rund 1,5 Billionen Euro für den "Wiederaufbau Ost" ausgegeben. Darunter auch die satten Renten für Margot Honnecker und zig Tausende ehemalige Stasispitzel und -verbrecher. Der Wiederaufbau Ost ist auch anderen in den letzten 20 Jahren gelungen, darunter einem riesigen kriminellen Netzwerk aus ehemaligen Stasi-Spionen, einer Immobilienmafia in den neuen Bundesländern, dem Baugewerbe, der IT-Branche im Zusammenschluss mit der Polenmafia und der Russenmafia (siehe www.juergen-roth.com: der Deutschlandclan) sowie der Linkspartei, die eifrig an ihrem eigenen Wiederaufbau bastelt. Eins ihrer weiblichen Mitglieder in den obersten Reihen forderte kürzlich, die Stasi müsse wieder her ...

    Dann feiert mal schön - nur was eigentlich?

  • Hier ein paar Videos von Stasi-Opfern die Zeitzeugen sind//08.11.2009

    http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/rueckschau/2009/11/05/lokalzeit_duesseldorf.xml
    "20 Jahre Mauerfall"

    und http://www.youtube.com/watch?v=5ra7HXfrNF0

    und http://www.rtl.de/punkt12/punkt12_977834.php (09.11.2009/Zwangsadoption)

  • 200 Bremer Bürger bespitzelten ihre Nachbarn für die Stasi //07.11.2009

    Wie Radio Bremen vor ein paar Wochen berichtete, waren auch in Bremen ca. 200 IMs für die Stasi tätig.

    Westdeutsche Bürger, die ihre Nachbarn, Freunde, Bekannte, Kollegen, Firmen für Geld und Vorteile ausspioniert haben.

    Heute darf man diese feinen Herrschaften noch nicht einmal bei ihren Namen nennen.

    Das deutsche Gesetz hat dadurch einen Riegel vor eine echte Aufarbeitung dieser Verbrechen und Straftaten geschoben.

    Denn echte Aufarbeitung und "Versöhnung" ist nur dann möglich, wenn die Täter ihre Taten eingestehen und Reue zeigen.

    In Deutschland war das noch nie der Fall. Hier wird alles unter den Teppich gekehrt, der in Jahrzehnten der Heuchelei und Sauberlügpolitik soviel Dreck angesammelt hat, dass er irgendwann gar nicht mehr gereinigt werden kann.

    Hier eine Zusammenfassung der neueren Erkenntnisse über Bremer Stasi-IMs:

    *******

    Stasi-Experte über Bremen - 200 Bremer in der STASI aktiv

    Etwa 200 Bremer haben während der 40-jährigen Existenz der DDR für die Stasi gearbeitet. Das hat der Stasi-Experte Helmut Müller-Enbergs herausgefunden. Vor allem an der Universität des Landes wurden die Agentenwerber fündig. Die Uni sei eine „wunderbare Kaderschmiede“ gewesen, so Müller-Enbergs im Radio-Bremen-Fernsehmagazin „buten un binnen“. Über ein Drittel aller Bremer Stasi-Spione seien dort angeworben worden. Am Ende der DDR 1990 seien noch 21 Agenten aktiv gewesen. Namen nannte er nicht.

    Zwar seien bis auf einen alle Spione in den Archiven der Stasi-Unterlagenbehörde mit Klarnamen versehen. Die Beweislage sei aber trotzdem zu vage, um sie öffentlich zu nennen. Denn insgesamt fänden sich deutlich mehr Bremer Namen in den Archiven, und die Abgrenzung zwischen Kontaktperson und Spion sei nicht immer ganz klar. Auch ein Senator soll einmal mit einer Stasi-Agentin, so Müller-Enbergs, ein sexuelle Verhältnis gehabt haben.

    http://www.radiobremen.de/politik/nachrichten/politikstasibremen100.html

  • Wer hinter dem Kunstraub des Sophienschatzes steckte//06.11.2009

    Wussten Sie schon, dass die Stasi hinter dem Diebstahl des Sophienschatzes im Wert von damals ca. 5 Millionen DM steckte?

    Und wer mag wohl wissen, wo diese Millionen - neben den restlichen SED-Milliarden, die Gregor Gysi (heute Vorsitzender der Linkspartei, der, der so gegen die "kapitalistischen Banken" und gegen Hartz IV wettert) seinerzeit durch Geldwäsche verschwinden ließ (siehe Spiegel und FOCUS usw.) - heute sind? Und für was sie aufbewahrt werden?

    Etwa für ein neues sozialistisches Deutschland?

    Das lässt die neue gesamtdeutsche Wirtschaftsmafia mit Stasi-Mitarbeitern und vielen anderen Mitwirkenden, die der investigative Journalist Jürgen Roth recherchierte und über die er unter dem Namen Deutschland-Clan (mit vielen von den Tätern erzwungenen Schwärzungen) im renommierten Eichborn-Verlag Sachbücher veröffentlichte, in einem noch realistischeren Licht erschimmern, nicht wahr?*

    *Anmerkung: Beim "Deutschland-Clan" handelt es sich NICHT um einen imaginären Familienclan und auch nicht um ein Theaterstück, sondern um Tatsachen hier und heute. Aber was nicht sein darf, ist auch nicht, so einfach ist das...

    Hier ein Bericht der BILD-Zeitung über neue Erkenntnisse des legendären Kunstraubs:

    *******

    Von JÜRGEN HELFRICHT

    Es war der größte Kunstraub der DDR. Am Mittag des 20. September 1977 verschwand aus einer Panzer-Vitrine des Dresdner Stadtmuseums der "Sophienschatz". 56 goldenen Grabbeigaben (ca. 2,5 Mio. Euro wert) aus den Wettiner-Grüften der 1963 gesprengten Dresdner Sophienkirche.

    Vor zehn Jahren tauchten 38 Stücke in Oslo auf. Jetzt führt erstmals eine Spur zu den Tätern: Stasi-Chef Erich Mielke ließ das Gold rauben, gegen Devisen verhökern!

    Zwei Jahre recherchierte die ZDF-Redakteurin Birgit Tanner (32). Heute ist sie sich sicher: "Vieles deutet darauf hin, dass es staatlich organisierter Raub der Stasi war."

    Alles am Diebstahl war mysteriös. LKA--Ermittler Jürgen Oelsner (65): "Es gab damals keine Fingerabdrücke, die Überwachungskamera war manipuliert und der Wachmann just an dem Tag zum Wehrkreiskommando nach Karl-Marx-Stadt bestellt."

    150 DDR-Kriminalisten verhörten damals 3200 Zeugen – und fanden nichts. Nach Monaten wurde die Akte geschlossen. Als das LKA 1999 Teile des Schatzes beim Osloer Münzhändler Gunnar Thesen (57) beschlagnahmte, kam raus: Er hatte sie aus Kopenhagen von Händler Arne Jacob Becker (1983).

    Tanner: "Becker war Mitarbeiter der Kunst- und Antiquitäten GmbH, die zum von der Stasi gelenkten Firmen-Geflecht Kommerzielle Koordinierung (KoKo) gehörte."

    Sie stieß auf den KoKo-Insider Helmut Dohnke. "14 Tage vor seinem Krebs-Tod im Januar verriet er mir, dass Stasi-Chef Mielke den Raub befohlen hatte. Der Schatz lagerte dann noch rund zwei Jahre in der DDR, bevor er an Becker ging."

    Wo die restlichen 18 Teile des Schatzes (darunter die Königskette aus 1,3 Kilo purem Gold) blieb, ist weiter unbekannt.

    http://www.bild.de/BILD/regional/dresden/aktuell/2009/09/03/dresdner-sammlung/mielke-lies-sophienschatz-klauen.html

  • Stasi bespitzelte Springer//05.11.2009

    Wie die Stasi den Medienkonzern Springer ausspähte - ein Video

    Reportage / Dokumentation

    Mit der Operation war ein ganzer Spähtrupp befasst. Systematisch versuchten Mielkes Mannen, in das Zeitungsimperium des Axel Caesar Springer einzudringen. Und sie hatten Erfolg. So gelang es der DDR-Auslandsaufklärung dank eines 'Romeos', eines gutaussehenden Handlungsreisenden im Dienste der Stasi, eine Chefsekretärin in Springers Büro als willige Informantin zu nutzen. Ein Agenten-Thriller aus dem Kalten Krieg. Was immer der mächtige Verleger tat - Ostberlin wusste umgehend Bescheid und konnte reagieren, wenn sich Springer etwa für einen DDR-Dissidenten einzusetzen gedachte. Der Fall des in Ostberlin inhaftierten, von der Staatssicherheit gequälten Wehrdienstverweigerers Nico Hübner zum Beispiel erscheint nun in ganz neuem Licht.

    http://mediathek.ard.de/ard/servlet/content/3279408

  • Die Autos brennen (schon)//04.11.2009

    Wie der im Spiegel Online erschienene Artikel (unten) zeigt, stecken immer mehr "Unbekannte" Privatfahrzeuge in Berlin und in Hamburg in Brand.

    So häufig und so systematisch, dass das nicht alles Zufälle sein können, wenn da so viele Täter auf dieselbe regelmäßige Idee kommen. Genauso wenig zufällig, wie die Laserattacken auf deutsche Flughäfen (was die Stasi früher "Verblitzen", nämlich Blenden eines Fahrers - oder hier der Piloten - nannte) sein können, die wie abgesprochen auf mehreren Flughäfen in Deutschland gleichzeitig und in regelmäßigen Abständen erfolgen (wir berichteten auf dem Blog darüber, siehe "Laserangriffe...").

    Auch wenn bei den Brandstiftungen der PKWs keine hochtechnischen Geräte wie bei den Laserangriffen verwendet werden (hinter denen ja offiziell "nur Jugendliche" wie eine 15jährige stecken, die zufällig einen teuren Laserpointer kaufen und aus mehreren hundert Metern gezielt bedienen kann, und dazu noch den Absturz von Hunderten von Passagieren riskiert, einfach so, von sich aus, na klar...), sondern es auch ein Feuerzeug tut, riecht das ganze nicht nur nach Schall und Rauch, sondern nach organisierter Kriminalität - aus welchen Motiven auch immer.

    Organisiert, weil sich hier die Täter ziemlich eindeutig vorher absprechen.

    Oder gibt es plötzlich in Hamburg und Berlin so viele Privattäter, die "aus Rache" (irgendein) Fahrzeug abfackeln müssen?

    So will es die Polizei, die sich machtlos (er-)gibt, zumindest darstellen. Obwohl die Täter fast nie erwischt werden (auch hier die Parallele zu den Laserangriffen auf deutschen Flughäfen und zu organisiertem Stalking), weiß die Polizei es wie immer am besten. Zumindest will sie der Öffentlichkeit weismachen, es seien "harmlose" Einzeltäter, die das aus emotionalen Gründen ("Rache") tun. Immer wieder und immer mehr...

    Genauso geht die Polizei (trotz immer mehr Hinweisen, die auf das Gegenteil, nämlich organisierte Kriminalität hinweisen) auch bei den Laserangriffen auf Flughäfen vor. Und bei jedem Fall von organisiertem Stalking.

    Nie können organisierte Täter dahinter stecken.

    Denn das würde die Öffentlichkeit beunruhigen.

    Also gibt es das in unserem Land eben nicht, Ende der Diskussion.

    Im Notfall verweisen die uniformierten Freunde und Helfer auf die Eigenverantwortung der Bürger - und kommen (siehe Spiegel-Artikel) auf die abstrusesten Vergleiche.

    Zum Beispiel den Vergleich zwischen einem teuren Auto und einem teuren Diamanten.

    Der kleine Denkfehler, der einen an den Kopf fassen lässt, ist, dass man einen teuren Wagen eben nicht im Schmuckkästchen oder Tresor parken kann, und dass die Garagen in Großstädten sich auch nicht unbedingt vermehren lassen.

    Wenn die Polizei ehrlich wäre, würde sie zugeben: Wir haben die Kontrolle über organisierte Kriminalität und Bandenkriminalität längst verloren, die innere Sicherheit in unserem Land ist nicht mehr gegeben (was irgendwann nach Mauerfall und Grenzöffnungen zum Ostblock anfing), aber das dürfen wir euch natürlich nicht sagen, denn sonst würdet ihr unseren Rechtsstaat anzweifeln - und euch fragen, wofür ihr seit Jahrzehnten so hohe Steuern zahlt (und den Soli noch obendrauf). Am liebsten würden wir euch erzählen, "El-Kaida" und "externe Terroristen" seien Schuld daran, aber so eine blatante Lüge trauen wir uns dann doch nicht zu bringen, also müssen einzelne Privattäter herhalten, denn die Wahrheit dürft ihr nicht erfahren - auch wenn sie sich irgendwann nicht länger vertuschen lässt.

    Hier der Spiegel-Artikel dazu:

    ********

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,658288,00.html

    SPIEGEL ONLINE
    31.10.2009

    Vandalismus
    Burn Twingo burn

    Von Catherine Simon

    Altes Phänomen, neuer Trend: In Berlin und Hamburg werden nachts regelmäßig Autos in Brand gesteckt, die Täter sind nicht zu fassen. Jetzt trifft es nicht mehr nur Porsche, Benz und BMW - auch Kleinwagen-Fahrer sollten besser Ausschau nach einem Garagenplatz halten.

    Hamburg - Drei Uhr nachts, auf den Straßen ist kein Mensch mehr unterwegs. Eine dunkle Gestalt schlendert an einem Auto vorbei. Sie hält kurz inne, die kleine Flamme ihres Feuerzeugs ist kaum zu sehen. Die Gestalt geht weiter, ist bald darauf verschwunden. Kurze Zeit später steht das Auto in Flammen, die Reifen brennen wie Zunder, Rauch und der Geruch nach verbranntem Gummi steigen in die Luft. Als die Feuerwehr eintrifft, ist der Wagen komplett ausgebrannt.

    Simple Methode, keine Zeugen: Gegen diese Kombination scheint die Polizei machtlos zu sein. In Berlin und Hamburg werden seit Monaten Autos abgefackelt, fast jede Nacht muss die Feuerwehr ausrücken. Erst am Mittwoch wurden in der Hansestadt 14 Fahrzeuge angezündet. Hinweise auf Täter oder Motiv gibt es nicht.

    "Es passiert immer in Zeiten, in denen keiner auf der Straße ist. Und man braucht keine besondere Begabung dafür", sagt die Hamburger Polizeisprecherin Ulrike Sweden, "oft reicht ein Feuerzeug und ein Grillanzünder".

    "Wenn der Bonze noch pennt, sein Auto schon brennt"

    In Berlin ist das Verbrennen von Autos schon fast zum Sport geworden. Seit Jahresanfang wurden in der Hauptstadt rund 250 Fahrzeuge zerstört. Ein großer Teil der Brandstiftungen geht laut Polizei auf das Konto der linksextremen Szene. Die Ermittler zählten schon 125 politisch motivierte Brandanschläge, meist auf Luxus-, Oberklasse- und Firmenwagen. 2008 waren es 73 Fälle, 2005 nur 18.

    Bei den Linksautonomen war das Auto-Anzünden schon in den achtziger Jahren extrem in Mode. In den einschlägigen Zeitschriften brüsteten sich die Täter mit ihren Aktionen. "Wenn der Bonze noch pennt, sein Auto schon brennt", dichtete der Berliner Musiker Yok Quetschenpaua, die "Wagensportliga" war geboren.

    Wie man einer Berliner Internetseite entnehmen kann, sind die heutigen Brandstifter vor allem im Osten der Hauptstadt aktiv: In den Stadtteilen Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg brannte es am meisten. Oft wird hier auch ein Zusammenhang mit der Aufwertung früherer Arbeiterviertel vermutet. Viele Menschen müssen von hier wegziehen, weil sie sich die hohen Mieten nicht mehr leisten können.

    Die Autos brennen, doch kaum ein Täter wurde festgenommen oder gar verurteilt. Gegen vier Männer laufen in Berlin derzeit Ermittlungsverfahren wegen politisch motivierter Brandstiftung. Vier Haftbefehle wurden ausgesprochen, ihr Vollzug jedoch ausgesetzt.

    Das Berliner Landeskriminalamt hält - wohl auch angesichts der eigenen Hilflosigkeit - die Rückbesinnung des Fahrzeughalters auf seine Eigenverantwortung für ein probates Mittel gegen den Brand von Luxuskarossen: "Würde ich meiner Frau einen Brillantring kaufen und sie würde ihn unter einer Laterne liegen lassen", sagt LKA-Leiter Peter-Michael Haeberer, "dann würde ich mich auch wundern."

    In Hamburg ist die Lage anders. 150 Autos gingen dort 2009 in Flammen auf, im Vorjahr waren es laut Polizei "deutlich weniger" - so wenige, dass sie nicht gesondert gezählt wurden. Einen politischen Hintergrund schließt die Polizei in den meisten Fällen aus. Das meiste seien allem Anschein nach Beziehungstaten, etwa aus Rache, sagt die Polizei. Lediglich 16 Brandstiftungen gingen auf das Konto politisch motivierter Zündler.

    Für ihre Aktionen gebe es ganz klare Kriterien, sagt ein Angehöriger der linken Szene in Hamburg. Menschen dürften nicht in Gefahr gebracht werden. Außerdem müsse es ein öffentliches Bekennerschreiben geben. Die Berliner Wagensportliga habe es außerdem auf "höherpreisige Autos, keine Privat-, sondern Firmenwagen abgesehen". Das allerdings löste in Öffentlichkeit und Politik Befremden und Empörung aus.

    Mit Tränen in den Augen

    In der großen Mehrzahl der Hamburger Fälle gab es jedoch kein Bekennerschreiben. Angesteckt wurden Fahrzeuge jeder Marke und Klasse. "Alle Arten von Autos sind betroffen, von uralten Schlurren, die nur mit Haftpflicht versichert sind, über Wohnmobile und Anhänger bis zu teuren Autos", sagt Polizeisprecherin Sweden.

    Besonders bitter sind die Brandstiftungen für Menschen, die sich nicht mal eben einen neuen Benz leisten können. Sweden erzählt von einer Familie, die gerade in den Sommerurlaub fahren wollte. Weil sie diesmal besonders früh aufbrechen wollten, verstauten die Eltern das gesamte Gepäck schon am Vorabend im Auto. Ein fatale Entscheidung, wie sich kurz später herausstellte: Der Wagen wurde in Flammen gesteckt, Kleidung und Taschen verbrannten ebenfalls. Der Sommerurlaub fiel flach.

    "Ich kann mich an einen alten Mann erinnern", erzählt die Polizistin von einem anderen Fall, "dem standen die Tränen in den Augen. Sein wunderschöner alter Mercedes wurde angezündet. Den hatte er jahrelang liebevoll restauriert."

    Sweden sagt: "Das ist purer Vandalismus, da fehlt der Tat jegliche Aussage." Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt glaubt im sinnlosen Zündeln eine Entwicklung wiederzuerkennen, die es auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen gibt, wie etwa die zunehmende Gewalt der Fußball-Hooligans: "Gewalt wird immer mehr zum Selbstzweck."

    Vielen Menschen mache es Spaß, den Staat herauszufordern, sagt Wendt: "Nach dem Motto: Denen zeigen wir es mal. Und dann freuen sie sich diebisch über die Ohnmacht der Polizei." Gerade weil diese Rechtsbrüche so zweckfrei seien, gestalteten sich die Ermittlungen so schwierig. Die üblichen Ansätze griffen nicht, selbst bei Festnahmen sei es äußerst schwierig, den Tätern etwas zu beweisen. Jeder Raucher habe schließlich ein Feuerzeug dabei.

    "Komm, am Wochenende prügeln wir uns mal mit der Polizei"

    Außerdem stammten die Brandstifter nicht mehr nur aus einem bestimmten Milieu: "Gewaltbereitschaft gibt es in weiten Teilen der bürgerlichen Gesellschaft. Das sind nicht mehr nur die Schwachköpfe, sondern biedere, brave Leute, die sich einen Sport daraus machen: Komm, am Wochenende prügeln wir uns mal mit der Polizei."

    Der Berliner Soziologe Dieter Rucht hält die Zahlen der Polizei für fragwürdig. Woher wolle die genau wissen, wann ein Brand politisch motiviert sei und wann nicht?, fragt der Forscher. "Es mangelt bisher völlig an handfesten Beweisen, weil kaum ein Täter dingfest gemacht wurde." Ohne Bekennerschreiben kenne man die Intention der Täter nicht, sagt Rucht.

    Die sogenannten Autonomen seien keine einheitliche Gruppe, sondern ein "hochschillerndes Spektrum ohne präzise Selbstbezeichnung". Viele von ihnen seien gegen die soziale Umstrukturierung der Stadtteile, griffen Edellokale an und besprühten Scheiben. In dieses Spektrum passe es auch, wenn - versehen mit einer Botschaft - die Luft aus den Reifen gelassen oder Autos angezündet würden. Bei militanten Gruppen würden solche Taten zumindest gebilligt.

    "Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die die Täter auf frischer Tat zu ertappen", sagt Polizeigewerkschaftschef Wendt. Außerdem müsse die Justiz mitziehen: "Die Gerichte müssen durch ihre Urteile zeigen, dass das kein Happening ist, sondern eine schwere Straftat."

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